
Gestern fiel mir wieder einmal auf, wie wahnsinnig unruhig und unkomfortabel meine ungefähr sechsminütige Busfahrt zur Arbeit eigentlich ist. Selbst sitzend ist es äusserst schwierig ob den auftretenden Fliehkräften an Ort und Stelle zu bleiben. Aber stehend gleicht die Fahrt im Bus derer in einer Achterbahn und es ist gar gefährlich, sich nicht ständig irgendwo an einer Sitzlehne oder an einer Stange oder an einer fremden Hüfte festzuhalten und in ständiger Bereitschaft auf einen abrupten Halt zu sein. Denn wie mir scheint, tauchen Haltestellen in den Augen der Busfahrer urplötzlich aus dem Boden auf und zwingen diese innerhalb von fünf Metern von ungefähr Schallgeschwindigkeit zu völligem Stillstand. Und da der von der offensichtlich ziemlich weltfremden Geschäftsleitung vorgegebene Taktfahrplan für die diesbezüglich bemitleidenswerten Busfahrer fast unmöglich einzuhalten ist, beschleunigen sie nach dem Halt ähnlich abrupt wie der Bremsvorgang wieder auf die vorher angestrebte Schallgeschwindigkeit. So begrüsst man die erst vor wenigen Sekunden vorbeigeflogene, ältere Dame auf dem Rückflug erneut freundlich derweil man die aus den Kinderwägen geschüttelten Kleinkinder einsammelt und sie, zusammen mit einem Taschentuch, der jungen Mutter mit der frisch zertrümmerten Nase übergibt. Der enge Taktfahrplan hat aber nicht nur Auswirkungen auf die Haltevorgänge. In Kurven respektive den in Chur reichlich gesäten Kreiseln wird gnadenlos beschleunigt, wobei der Fahrer in seinem hydraulisch ausgleichenden Sitz von den auftretenden G-Kräften und den damit verbundenen reissenden Muskeln und Sehnen der sich ängstlich und krampfhaft festkrallenden Passagieren wenig mitbekommt. Denn der Innenspiegel dient lediglich dem Zuwerfen von verächtlichen Blicken beim Anschnauzen von gebrechlichen Senioren, die es wagen, nicht innerhalb von 2.3 Sekunden ausgestiegen zu sein.
Aber abgesehen davon, sind die Busse von der polnischen Firma Solaris ebenfalls schuld am unkomfortablen Reisen. Jede auch noch so geringe Temporegulierung wird mit einem extrem heftigen, automatischen Schalten beantwortet. Bei der vorhin erwähnten Reduktion der Geschwindigkeit schaltet der Automat also gefühlte siebenunddreissig mal runter, wobei jedes mal das Chassis ob dem heftigen Gestotter zu bersten scheint. Und dann schaltet er natürlich auch wieder rauf.
Jedenfalls. Heute Morgen habe ich aus wissenschaftlichen Gründen die Fahrt gefilmt um die beschriebene Zustände dokumentarisch festzuhalten. Die Kamera habe ich hierfür extra fest positioniert, da die Kamera, würde ich sie in den Händen halten, alle meine Bewegungen mitmachen und so den Effekt nicht wahrheitsgetreu wiedergeben würde.
Ich bin der Zweite links.










































24 Kommentare
You made my day.
Arschloch-Busfahrer im Tourismus-Kanton Graubünden. Sehr gut. Wirklich.
@Kevin: Fährst du auch Bus? Meistens sind ja die Nicht-Bus-Fahrer die, die so “Ach was, jetzt tu nicht so, das ist nicht so schlimm”.
Das ist bestimmt Linie 3 ins Klein Waldegg rauf, seb scho. Hast du gesehen, dass die Geschichte mittlerweile in der SO war? Leider in einer abgeschwächten Version.
@Marco: Jo, voll. Sehr cool. Und sie haben korrekterweise auch erwähnt, dass daran nicht ausschliesslich die unfreundlichen Busfahrer schuld sind. Sondern eben auch der unmögliche Fahrplan und die scheinbar nicht ganz so optimalen Arbeitsbedingungen. Und den Affen von der Geschäftsleitung fällt nichts besseres als Statement ein als “Busnummer und Zeit notieren und dem Kundendienst melden”. Toll, dann bekommt einfach der Fahrer ein Rüffel oder die Kündigung obwohl nicht nur er daran Schuld hat.
@Damian: “Du Fritz gell du hesch nit könna in 3 Minuta vu Rhäzüns via Tamins, Felsberg und Haldastei zum Waldhuusstall fahra?” – “Nei as tuat mer…” – “HAAAAU AB!”
Gut, dass ich nicht mehr Bus fahre. Bei 20km quer durch den Walt fährt auch nur alle 4h einer. Da lob ich mir den Linienverkehr in meiner Heimat. Aber die Busfahrer waren da auch nicht besser.
Da meine Strecke in die Arbeit aber S-Kurfenartig zwei bis dreihundert Höhenmeter überwindet, greift auch hier die Fliehkraft. Mein Sportsitzt jdochauch! ;)
@Damian: Jetzt wieder nicht mehr. Aber vor drei oder vier Wochen fuhr ich zwei Wochen lang jeden Tag Bus, weil ich da kein Auto hatte. Hab dann in den zwei Wochen schon wieder gemerkt, wie mühsam der öV eigentlich ist.
Gibt’s den SO-Artikel noch irgendwo zu lesen?
@Kevin: Sie haben Post :-)
@Marco: Sehr nett. Dankeschööön MRC! :)
@Marco: Was ist denn überhaupt passiert?
Heds einen umgeschmissen?
Und überhaupt: was isch aigentlich mit derhartmann scho wider los? :D
Wenn ich Auto fahre, ist das auch nicht besser. Ich werde auch immer hin und her geschleudert und kann mich nichtmal beim Fahrer beschweren.
Ah und @topic: Eigentlich ist es nicht die Bewegung des Busses oder das Fahrverhalten des Busfahrers und auch keine Zentrifugalkraft, die dich Herumschupst, sondern ganz allein und lediglich deine eigene Trägheit.
Folglich bist in jedem Falle du selber schuld. Wärst du nicht so träge gienge das Busfahren viel besser. ;)
@chef vodr ch: Dann machen also Achterbahnen je träger man ist umso mehr Spass?
@Damian: Ja. Aber nur, wenn man die Trägheit seines Blutes adjustiert hat. Denn wenn dieses nicht mitspielt hast du manchmal zu kleine Schuhe und manchmal Nasbnbluten…
@Marco So artikel gratis verschick, GOHTS NO?
@Niki: So Artikel nid gratis ins Internet stella, GOHT’S NO?
@chef vodr ch: Da beisst du auf Granit. Das verstehen nur so mega coole OnlineZeitungsleser wie wir.
Ich weiss. Ich nerv’ mich schon gar nicht mehr darüber :D
Pf Damian, 6 Minüüütelchen. Ich hab das 6 JAHRE lang jeden Tag mindestens 2 mal eine halbe Stunde lang aushalten müssen. ;)
Wir sind robust. Das geht schon.
@Lara: Keks zum whine?
Hä? Was? Versteh ich nicht.
Aber ja: KEKSE!
ihr seit alles a…………cher. fahrt mal seber, fuer euch a…………,..l…..cher tünt mir fahre,.das.die betriebsleitung neben den schuhen ist klar,das ist wie die stadtverwaltung
@reputh: Also die freundliche Art und Weise wie Sie hier kommentieren nimmt meiner These bezüglich unfreundlichen Busfahrern nicht gerade den Wind aus den Segeln, Herr Busfahrer.
trurig aber wohr,
han mega müassa über dä artikel lacha und i giba am schrieberling völlig recht. han mi selber schu a paarmol zruckheba müassa, dass i mi nit füra an dä wia hesches gschrieba (in seinem hydraulisch ausgleichenden Sitz ) kämpft han, wer weiss was do passiart wär?
Danka uf jedafall fürs drufufmerkdam macha und z’lächla uf mina lippa