TRITTBRETTFAHRERFILME

Ausgerechnet ein Dokumentarfilm, der sich damit brüstet aufzuzeigen, dass das Leben im Londoner Untergrund von West End nicht so ist wie in Filmen gezeigt wird, verwendet ein höchst ähnliches Cover wie das eines Filmes über den Londoner Untergrund von West End.

Ich hasse Dokus mit Trittbrettfahrer-Covers. Überhaupt hasse ich Trittbrettfahrercovers und Trittbrettfahrerproduktionen. It’s for the money, ich weiss. Und man kann das den Produktionsfirmen und Distributoren auch nicht wirklich übel nehmen. Trotzdem. Zum Beispiel wenn ein Remake von irgendeinem Film im Kino läuft, sind die Regale im Media Markt gefüllt mit dem geremakten Film. Einfach mit neuem Cover. Und zwar im Stil des Kinoplakats vom Remake. Als Death Race im Kino lief, war das ziemlich bullshittige Original äusserst exponiert in diversen DVD-Regalen ausgestellt. Mit neuem Cover, auf welchem das lediglich im Original verwendete ‘2000‘ möglichst klein geschrieben war, so dass der durchschnittliche Prättigauer Samstag-Mediamarkt-Besucher nur Death Race liest und denkt “Boah voll geil mann dä lauft doch im Kino und döts häts Brüscht und Subarus dä kaufi schnupf priis proscht.” Und Zuhause dann die grosse Überraschung. What the Eff?
Ähnliches war bei Brüno der Fall. Während der Film noch im Kino lief gab es überall eine Da Ali G Show Brüno Edition zu kaufen. Und die wurden dann auffällig dem offiziellen Filmposter ähnelnd angepriesen, nämlich so. Die DVD selbst hingegen war lediglich eine normale, schon mal veröffentlichte Ali G Show DVD. Das einzige ‘Brüno-Feature’ dieser DVD war die Möglichkeit, alle Brüno-Parts innerhalb der einzelnen Ali G Show Folgen hintereinander abzuspielen. Und natürlich das irreführende Cover. Toll.

Könige in dieser Kategorie allerdings sind The Asylum. Eine Low-Budget-Produktionsfirma aus Amerika. Diese schaffen es immer wieder, nach Ankündigungen von Grossproduktionen, noch vor deren Release ein Rip-Off in die Läden zu bringen. Natürlich immer Direct-to-DVD. Ich schätze mal, dass 50 Prozent der Verkäufe Fehlkäufe sind. Also weniger informierte Zeitgenossen, die sich ob den meist doch recht ähnlichen Covers und vor allem Filmtiteln täuschen lassen und sich zu keiner Zeit fragen, warum es den Film jetzt schon auf DVD gibt. Und ich würde mich auch nicht wundern, wenn denen dann nicht mal ein Unterschied auffallen würde. Also hält sich mein Mitleid auch dementsprechend in Grenzen.

Jedoch. Bei The Asylum schwingt in all der Verachtung zumindest bei mir noch ein wenig Sympathie mit, begannen doch die meisten grossen Studios ihre Karriere mit solchen Produktionen und nicht selten auch mit ähnlichem Vorgehen, also dem, je nach Sichtweise, Verhunzen von grossen Franchises. Reicht allerdings das Geld für Lizenzen nicht oder aber es handelt sich um ein Rip-Off sprich Trittbrettfahrer, wird einfach der jeweilige ‘Markenname’ ganz minim abgeändert. So wird aus Roland Emmerichs 10’000 B.C. einfach 10 Million B.C. Oder aus The Da Vinci Code wird The Da Vinci Treasure, aus Alien vs. Predator wird Alien vs. Hunter, aus 2012 wird 2012: Doomsday, aus The Day the Earth stood still wird The Day the Earth stopped und, mein persönlicher Favorit, Snakes on a Plane macht The Asylum kurzerhand zu Snakes on a Train. Grossartig. Und natürlich verwenden praktisch alle dazugehörigen Covers jeweils frappant ähnliche Motive oder zumindest ähnliche Typos.

Erwähnen sollte man allerdings, dass The Asylum mittlerweile auch ‘eigene’ Filme dreht. So ist zum Beispiel der letztes Jahr erschiene 100 Feet meines Wissens keine gestohlene Idee und ist mit Famke Janssen auch durchaus populär besetzt. Wer weiss, möglicherweise der erste Schritt in Richtung Big Studio. Und in ein paar Jahren dann nennt man The Asylum in einem Atemzug mit Universal und 20th Century Fox. Vielleicht.

Oh, einen hab ich noch vergessen: TRANSMORPHERS (klick), Transformers à la Asylum. Und das Sequel dazu hiess passend zum Sequel der ‘Vorlage’ Transmorphers – Fall of Man. Sehr schön.

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    2 Kommentare

  • Jetzt mal ehrlich, ich kenne solche Trittbrettfahrer-Filme nur von Pornos. Obwohl das ja dann nicht wirklich Trittbrettfahrer-Filme, sondern eher nur -Cover und -Titel sind. So richtige Trittbrettfahrer-Filme, wie die von dir genannten, hab ich noch nie gesehen. Gut, ich besorge mir meine Filme ja auch nicht im Mediamarkt. Hihi.

  • @Kevin: Haha…stimmt…Porno-Rip-Offs. Aber bei denen ist die Persiflage an sich viel ersichtlicher. Und die nehmen sich auch nicht soooo ernst. Aber ist schon lustig, irgendwie:
    In Diana Jones, Al Caporn, American Fistory XXX, Axelfick und Obelwichs, Bonnie in Clyde, Die Reise zum G-Punkt der Elke, Hairy Popper und der Stab der Steifen.

    Grossartig.

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Rauf
Über
Damian

Der fastvierteljahrhundertjährige Damian ist alles andere als ein Internetkind erster Stunde, bewegt sich aber in Anbetracht dessen ausserordentlich agil durchs Netz.

Aus den knapp dreizehn Billiarden Websites die er gerne liest, filtert er zum Wohle der Menschheit das in seinen Augen beste heraus und präsentiert es, garniert mit seiner Meinung dazu, auf diesem Blog hier.

Dazu gehört vor allem alles Schöne. Von Graphic- über Web- bis hin zu Motiondesign, aber auch Kurzfilme, Videos und ‘klassische’ Kunst. Allgemein hegt er ein Faible für alles, was dem Betrachter ein “Woah” zu entlocken vermag.

Das zum einen. Zum anderen bloggt er gerne über lustiges Zeugs. Insbesondere in der von ihm als Neuzeit-Humor bezeichneten Kategorie Internet-Humor (Wait what).

Das zum anderen. Zum anderen anderen berichtet er zwischendurch auch über persönliches. Dazu zählt sowohl alles private, das er mitteilungswürdig findet (Stalkerfutter) als auch Zwischenbilanzen oder kurze Hinweise auf Projekte, die er, meist unter der Obhut von LUAGSH, abgeschlossen hat oder abschliessen wird (Luagshprojekte und Hausgemachtes).

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Rauf
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