Sucker Punch – Metakritik


Im Moment eine Review zu Sucker Punch zu schreiben ist ein bisschen überflüssig. Wird doch bereits an genügend anderen Orten, von Leuten die sehr viel mehr von Filmen verstehen, darüber geschrieben. Was mich ehrlich gesagt ein bisschen überrascht. Und was im Grunde genommen auch ein riesiges Problem ist.

Dass der Film in gewisser Weise für Furore sorgen wird, war mir bereits nach dem ersten Teaser klar. Allerdings dachte ich dabei eher an Furore in der Fanboy-Ecke und unter Umständen noch ein klein wenig darüber hinaus. Ähnlich wie das bei Scott Pilgrim der Fall war. Innerhalb der ‘Fanboys-Fraktion’ wurde über den Film diskutiert, debattiert und gestritten. Was schön mit anzusehen und -lesen war, zumal es fast immer schön sachlich blieb und negative Bewertungen von ‘Aussenstehenden’ korrekterweise oft mit “Aber ich kenne die Vorlage auch nicht” ergänzt wurden.
Bei Sucker Punch sieht es hingegen vollkommen anders aus. In etlichen Zeitungen und deren Online-Ableger und auf so gut wie allen Film-Blogs liesst man Kritiken zu Zack Snyders neustem Feuchtmacher. Was mich irritiert. Denn der Film wird reviewtechnisch behandelt wie ein ‘normaler’ Film. Und auch was seine Einspielergebnisse betrifft wird er als solcher behandelt und hämisch erwähnt wie niedrige diese doch sind. Dabei sollte man aber stets beachten, dass Sucker Punch ganz klar ein Nischenfilm ist. Wenn nicht sogar ein Genrefilm. Er bedient streng genommen sogar eine relativ kleine Zielgruppe. Denn, und das dürfte man ihm in all den negativen Kritiken ruhig öfters anrechnen, er ist eigenständig. Er gehört keiner dollarscheffelnden Franchise an, ist keine Fortsetzung, kein Remake, kein Reboot, keine Comic-Verfilmung, kein gar nichts. Plus er spricht eine sehr nerdige Sprache, bedient sich vorallem bei Animes und deren Live-Action-Ableger aus Japan. Und dementsprechend gilt es ein kleines bestehendes Publikum zu befriedigen und ein umso grösseres neues zu erobern, was überaus schwierig ist, weswegen es auch seit Jahren keine richtig grossen Blockbuster mehr gab, die nicht auf irgendwas beruhen, was nicht bereits eine riesige Fan-Base hat. Die Zeiten von The Rock, Con-Air, Minorty Report, The Island und Co (mir kommt gerade nicht mehr in Sinn) sind vorbei. Hollywood riskiert nichts mehr. Gründet Franchises oder nimmt bereits existierende (Comics) und schlachtet selbige aus bis sie kaputt sind.

Und dann kommt Sucker Punch. Ein Meisterwerk…in seiner Nische. Eine Nische, in der Schauwerte mehr zählen als alles andere. Stimmt der Rest auch? Gut, aber egal. Man will das sehen, was der Trailer versprach: Hübsche Mädchen, Explosionen, Schiessereien, Zeitlupenzeugs oder Settings deren Szenarien und Genreanleihen unterschiedlicher nicht sein könnten und vom Nicht-Nerd streckenweise gar nicht erst benamselt werden könnten (Steampunk, Anime, Eastern, etc.).
Ersteres und letzteres hat dann übrigens auch zur Folge, dass solch abstruse Vorwürfe wie Frauenfeindlichkeit, Sexismus oder sogar Faschismusverherrlichung ins Feld geführt werden und gewisse Reviews auf eine so dermassen ernste Diskussions-Ebene hieven, dass sie per sofort nichtig werden. Denn es läge mir ja auch fern, einen Pornofilm auf deren Storygehalt zu reduzieren und ihn danach zu bewerten oder aber ihm, ähm, Frauenfeindlichkeit vorzuwerfen. Genauso wenig würde ich mich in fremde Gefilde wagen, beispielsweise dem Arthouse-Kino, um dort einen Film nach dem anderen in Stücke zu reissen nur weil ich sie nicht verstehe oder sie mir nicht zusagen.

Das ist auch genau der Punkt, der viele Review-Schreiber/innen in meinen Augen lächerlich macht. Ihre verbitterte, ernste und übertrieben analytische Wortwahl bei der Rezession von etwas, das ihnen fern liegt, dass sie in ihrer Überheblichkeit und ihrem jahrelangen Filmdasein nicht mehr verstehen können. Betonung auf ‘nicht mehr’. Denn gleiches aus den 70ern ist ein Meisterwerk. Aus den 80ern Kult. Alles von Heute ist scheisse. Dass es allenfalls der Betrachter also der Schreiber selbt ist, der sich verändert hat, wird zu keiner Zeit in Erwägung gezogen. Etwas, dem ihr übergeschultes Auge nichts abgewinnen kann, sollte man dann halt einfach mal sein lassen und die Zielgruppe diskutieren lassen.

Denn ich persönlich fühle mich streckenweise fast schon beleidigt bei gewissen Reviews, weil deren Art zu schreiben, stellt nicht nur den Film, sondern auch alle denen das gefällt, als inkompetente Deppen dar.

Fakt ist, an Sucker Punch wird falsch herangegangen. Völlig falsch.

    27 Kommentare

  • Hmm sehr gut geschrieben, habe bisher nur den Trailer gesehen (mit einem Song von Led Zepelin, kann das sein?), fand ihn aber trotz den von dir angesprochenen typischen Nischeninhalten ansprechend. Aber ja, mein Eindruck jetzt vom Trailer auf den ganzen FIlm auszuweiten wäre ein wenig frech. Muss noch jemanden finden, der ihn nicht gesehen hat.

    Kritiker und deren Vorgehen beim Kritisieren finde ich sowieso fraglich. Ists nicht auch bei musikalischem Schaffen so? Das Problem bei Kritiken jeglicher Art: Oft lässt man diese Beurteilungen zu nah an sich und allenfalls den persönlichen Eindruck ran. Und das ist Schade.

  • Sprichst mir aus der Seele.
    Allgemein scheint es mir schon länger und stetig zunehmend so, das sich die “renommierten” Filmkritiker und -websites wahnsinnig selbstgefällig auf einen irre hohen Sockel gehievt haben.
    Irgendwie scheinen diese Herren (und Damen) das Maß ihrer eigenen Sachkundigkeit direkt proportional zur Anzahl der verwendeten “Insider-Ausdrücke” und totalen Verrisse von möglichst vielen Filmen zu sehen.
    Man könnte manchmal echt meinen, wer heute als Kritiker einen Film lobt, dem droht die Todesstrafe.
    Ich lese Reviews fast nur noch zum Spaß und gehe dann lieber selbst ins Kino um mir mein eigenes Bild zu machen.

  • Weisst du eigentlich wie sehr ich dich liebe?!

    Kritik an Kritikern ist sowieso längst überfällig, genau wie das steinigen von Menschen die Ernsthaft der Meinung sind Rezensionen über Tom Erhardt oder Uwe Boll Filme machen zu müssen!

  • @Marco: Kritiken wären ja auch wesentlich legitimer, wenn sie öfters betonen würden, dass es bloss die Meinung des Schreibers ist. Fälschlicherweise haben sie aber immer das Gefühl, so an Glaubwürdigkeit zu verlieren.

    Jo, in einem Trailer läuft Led Zeppelin. Weiss allerdings gar nicht mehr ob das auch im Film läuft.

    I kumma sus impfal schu nomol mit. Wenn witsch?

    @Bernd: Plus sind, vor allem bei Filmblogs wie beispielsweise den 5 Filmfreunden, Reviews schon ein Jahr im voraus absehbar. Von ersten Trailer an wird ein Film schlecht gemacht und dementsprechend fällt dann auch die Kritik aus. Und um bei den 5FF zu bleiben: Dort ist es auch eher eine scheinbar persönlich Vendetta gegen Zack Snyder. Der Film selbst wird irgendwie kaum besprochen.

    @Basti: I <3 u 2.

    Tom Gerhardts Filme sind ja auf besagten Filmblogs seit Eichingers Tod auch plötzlich Kulturgut und Klassiker und Meilensteine und Blabla.

  • Tolle Meta-Kritik, bei der ich dir absolut Recht gebe. Wie könnte man es auch anders betrachten, wenn tatsächlich nur noch bereits existierendes Material ausgeschlachtet wird. Obwohl es sich bei diesem Film wahrscheinlich genau um das gleiche Phänomen handelt wie bei Nolans “Inception”. Da dachten sich die Studiobosse: “Okay, der hat mit Batman gutes Geld für uns gemacht, gönnen wir ihm sein eigenes Baby. Wenn’s schief geht, haben wir immer noch Batman, wenn’s gut läuft, umso besser.” Gleiches gilt doch auch für Snyder: Bis jetzt hat er gutes Geld gemacht, dann darf er auch mal was eigenes machen.

    Die ganzen Diskussionen über Kritiker stelle ich mir auch schon seit langem: Bei manchen Sachen habe ich teilweise das Gefühl, dass Kritiken gekauft sind, während auf der anderen Seite – gerade halt auch bei Filmen wie “Sucker Punch” – nicht mehr nach außen geschaut wird. Man betrachtet nur den Film und seine eigene Sichtweise, aber als Kritiker sollte man doch gerade auch versuchen, zu verstehen, wen ein Film ansprechen soll. Und wenn das klar ist, kann man doch auch etwas besser abschätzen, ob es ein guter Film ist oder nicht.

    Zumal viel zu oft halten sich all die Kritiker für übermächtig in ihrer Meinung, was aber diesem Film wohl nicht schadet. Was ich meine, ist folgendes: Je mehr negative bis vernichtende Kritiken ich über einen Film lese, desto mehr steigt in mir das Verlangen diesen Film selbst zu sehen. (Vielleicht ist auch das nur eine clevere Marketing-Strategie)

  • Hey Damian

    Du brauchst echt ein neues Theme, wo es auch angenehm ist, solch langeTexte zu lesen ;-)

    @swissspidy

  • @Pascal: Hmm, 700px geht meiner Meinung nach noch in Ordnung. Und ist bei Fotos und Videos und so wesentlich schöner. Und allzu oft schreibe ich auch nicht so lange Texte. :-)

  • Andreas

    @donpozuelo: genau das ist der punkt. viele bewerten einen film nicht aufgrund dessen was er eigentlich sein will. sucker punch will augen und schritte feucht machen und keine tiefgreifende geschichte erzählen. ein porno auch. und ein 80gigapixelbild von london auch (gell damian :)
    wie kann man einem film vorwerfen, etwas nicht zu sein, was er ganz offensichtlich auch gar nicht sein will?

    fazit:
    gewisse kritiker sollten einfach mehr pornos schauen. bis. sie. es. schnallen!

  • Mittlerweile kann jeder über alles eine Kritik verfassen – dabei schießt der Großteil am Thema vorbei. Ich finde dein Artikel trifft es genau! Habe den Film noch nicht gesehen, aber mir war klar, dass ein großer Haufen an “Kritiker” den Film in irgend eine Ecke, Genre oder Schublade stecken werden – ihn nicht unterbringen und oder einordnen können. Das führt dann ungewollt zu dem Vergleich mit anderen “großen” (und nur DIE können was) Filmen. Pah, popeliger Dreck. Ich lese dein Block, weil du nicht zu dem großen Haufen da draussen gehörst. Weiter machen, find ich gut!

  • @donpozuelo & @Andreas: Oder ein Kritiker muss erkennen, dass der Film nichts für ihn ist und die Klappe halten. Wie gehabt, ich bewerte auch keine ChickFlicks und RomComs. Weil ich nicht deren Zielgruppe bin.

    @Stencil F: Und es ist ja nicht so, als ob Zack Snyder bis anhin etwas anderes gemacht hätte. Jetzt tun alle so überrascht ob dem hohen Eye-Candy-Gehalt von Sucker Punch. Dabei waren es die anderen Snyder-Filme lediglich darum nicht so sehr, weil sie eine gehaltvolle Vorlage hatten.

    Aber Danke, das liest man gerne. :-)

  • Genau deswegen wollte ich ja den Film nicht reviewen. Weil ich wusste, dann kommt wieder der Damian, und bringt auf den Punkt, was ich nicht ansatzweise auszuformulieren vermochte. :) Schön geschrieben *hut zück*

  • @Graval: Das hier ist aber keine Review. Eigentlich. :-)

  • Ich hab den Film noch nicht gesehn, aber schon diverse Reviews gelesen… Das passiert in letzter Zeit immer öffter. Die leute gehen mit falschen Erwartungen in die falschen Filme. Wer erwartet zum Beispiel einen tiefgründigen Film wenn er in “The Expendables” geht?

  • @chaosmacherin: Absolut. Und ich hab auch schon in vielen Kommentaren gelesen, dass sie in der Hälfte raus sind und ähnliches. …the Fuck? Gehen die völlig uninformiert in einen Film? Ich geh ja auch nicht in einen Katherine Heigl Film und bin überrascht wenn es keine Explosionen und Nazizombies gibt.

    Edit: Ich kann mir übrigens sehr gut vorstellen, dass dir der gefällt. :-)

  • @Damian: Ja das ist schon klar, aber ich meinte, was ich im Bezug auf die Kritiker ansatzweise erwähnte ;)
    @chaosmacherin: Erinnert mich an die Kick Ass Premiere damals. Da liefen sie auch scharenweise raus. o.O Die standen an um während dem Film rauszugehen. Versteh ich nicht. Man sollte sich echt informieren im Vorfeld. -.-

  • @Graval: Schon klar… :-)

  • Tokyofist

    Ja und Nein.

  • hmmm ich lese auch überall nur schlechte Kritik aber wenn ich mir den Trailer anschaue kann ich es einfach nicht glauben ~_~ naja hoffentlich kommt bald die DVD den unser altes Drecks Kino versaut jeden Film egal wie gut der ist….

  • Ich habe mich ja bei mir auf dem Blog auch an einer Review versucht… ist bei dem Film eine Herausforderung, weil man seine normalen Maßstäbe nicht anbringen kann bzw. sollte. Beim Rest stimme ich dir zu… wenn ich mir die Spiegel Online Review durchlese und mir dann denke “Dir gefällt der Film”, dann muss man sich ja irgendwie zwangsweise scheiße fühlen xD.

  • Tokyofist

    Bin ich der einzige der das Problem weder sieht noch versteht?

  • @Tokyofist: Ja und Nein.

  • Tokyofist

    Meine Worte. Wir sind uns also eineiig :)

  • Cool, metakritisch. Also kritikkritisch. Gut.

  • Allerdings: Selbst wenn man ihn durch Nerd-Augen betrachtet, ist der Film nicht perfekt. Finden zumindest meine Nerd-Augen. Er ist in vielen Momenten wahnsinnig cool und übertrieben, und dann zwischendurch wieder genau das Gegenteil.

    Das Hauptproblem ist eher, dass “professionelle” Filmkritiker generell den Anschein von Objektivität und Allgemeingültigkeit erwecken wollen. Und das geht weder bei Sucker Punch noch bei Arthouse-Film XY, genauso wenig bei Musik oder jeder anderen Form von Kunst. Deswegen verlass ich mich in solcher Hinsicht auch eher auf subjektive Einschätzungen, notfalls auch auf meine eigenen.

  • @christian: NOTFALLS auf deine eigene Meinung? AUSSCHLIESSLICH auf deinen eigene.

  • @Damian: Natürlich :D

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Der fastvierteljahrhundertjährige Damian ist ausserordentlich gerne im Internet unterwegs, obschon er alles andere als ein Internetkind erster Stunde ist sondern während seiner Kindheit lieber Bäume gefällt hat und von Stalldächern in Tiefschnee gesprungen ist. Sein beruflicher Werdegang beinhaltet eine technische Ausbildung in der Baubranche, welche rückblickend aber eher eine Selbstfindungsphase war, ihm aber ein sehr ausgeprägtes wirtschaftliches Verständnis auf den Weg gab. Mittlerweile hat er sein langjähriges Hobby zum Beruf gemacht und darf bei seinen konzeptionellen und grafischen Arbeiten in der Werbeagentur CLUS stets aufs Neue feststellen, dass seine autodidaktische Ausbildung sehr effizient war und das ihm nachgesagte Gespür dafür kein Hirngespinst ist. So empfiehlt er seinen Arbeitgeber natürlich gerne weiter oder erledigt kleinere Arbeiten auch privat. Einfach melden.

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