StaPo Chur


Jetzt, wo es zumindest die Medien nicht mehr wirklich interessiert, haben der Kevin und ich uns dazu entschieden auch noch persönlich Stellung zu der Stadtpolizei-Twitter-Aktion Anfangs diesen Monats zu nehmen.

Anfangs Dezember beschlossen der Kevin und ich, angeregt durch die Twitter-Aktion der Stadtpolizei Zürich, einen Fake-Account für die Stadtpolizei Chur zu erstellen und darüber mittels satirischen Tweets die Provinzialität der selbigen ein klein wenig auf die Schippe zu nehmen. Keineswegs böse gemeint und niemals beleidigend. Nach ein paar wenigen Followern, hauptsächlich natürlich aus unserem Bekanntenkreis, und ebenso wenigen Tweets unsererseits wurde die vermeintliche Social-Media-Tätigkeit der Stapo Chur auf dem Jugendsender Joiz beiläufig erwähnt, was uns ein paar weitere Follower bescherte. Zu dieser Zeit ahnten wir allerdings noch nicht einmal ansatzweise, welch mediales Echo unsere Aktion auslösen würde und nahmen die steigende Followerzahl belustigt zur Kenntnis. Dann allerdings schwoll das ganze innert kürzester Zeit auf ein fast schon ein klein wenig beängstigendes Ausmass an: Sowohl das Online-Boulevard-Blatt 20min.ch also auch unsere regionale Zeitung Die Südostschweiz, dort immerhin auf der Titelseite, nahmen die Meldung auf und letztere liessen sowohl die ‘richtige’ Stadtpolizei, die ihrerseits die Bundeskriminalpolizei einschaltete, als auch den Bündner Datenschützer zu Wort kommen, der das ganze als “eindeutig rechtswidrig” bezeichnete, womit uns, obwohl ich mir stets sicher war, gegen kein Gesetz zu verstossen, dann doch ein bisschen mulmig wurde. Nachdem dann auch noch das Schweizer Fernsehen in der Sendung Schweiz Aktuell darüber berichtete, beschlossen wir, die ganze Sache aufzulösen und uns gewissermassen zu stellen und um so in die Offensive zu gehen.

Auf einer kleinen Website bekannten wir uns zu der Tat und luden den Kommandanten der Stadtpolizei und seinen Stellvertreter zu einem Kaffee ein um eine allfällige Weiterführung des Twitteraccounts zu diskutieren und um ihnen unsere Beweggründe zu erläutern. Anfragen von Medien, diesen Kaffeplausch filmen zu dürfen lehnten wir übrigens, unter anderem auch auf Wunsch der Stadtpolizei, ab und fanden uns letzte Woche im Hauptquartier in Chur ein um, zugegeben, überrascht festzustellen, dass sowohl Herr Caluori als auch Herr Hemmi das ganze zwar stets ernst genommen haben aber keineswegs ‘böse’ auf uns waren. Der ganze Ablauf inklusive Konsultieren der Bundeskriminalpolizei und des KOBIKs hätten sie früher oder später ohnehin ‘lernen’ müssen und sie seien froh, dass wir ihnen einen solch harmlosen Grund dafür boten.

Mit Konsequenzen müssen wir übrigens, wie die beiden uns versicherten und vermutlich zur Enttäuschung einiger weniger Follower, welche die ganze Aktion scheinbar arg persönlich genommen haben, nicht rechnen.

Es war eine Erfahrung und die beachtliche Dynamik, die die Aktion entwickelte, stets äusserst spannend zu beobachten. Ich persönlich machte zudem auch erste Erfahrung mit den Medien, deren Handhabung ganz offensichtlich eine Wissenschaft für sich ist: Sarkastische Aussagen werden zu Fakten und sogar zum Aufhänger, scheinbar nicht wirklich informierte und offenbar desinteressierte Datenschützer werden zitiert und allgemein wird lieber nachgeplappert und verdreht, anstatt selber nachzufragen. Das war so gesehen überaus ernüchternd. Aber eben, eine Erfahrung.

Zu den Reaktion der Follower: Zu unserer Überraschung glaubten viele und zudem überraschend lange, dass es sich bei besagtem Twitterprofil tatsächlich um einen von der richtigen Stadtpolizei geführten Account handelt. Die Reaktionen waren folglich auch positiv und unsere satirischen Seitenhiebe wurden mit Belustigung quittiert. Nur vereinzelt stossen sie auf Unverständnis, riefen Beleidigungen oder aber Verwunderung ob der, von uns gewollt inszenierten Amateurhaftigkeit hervor. Die vielen positiven Feedbacks waren schlussendlich auch ausschlaggebend dafür, dass wir der Stadtpolizei geraten haben, den Account weiterzuführen. Dies wird aber vorläufig nicht der Fall sein, da gemäss dem Kommandanten Ueli Caluori andere Polizeistationen in der Schweiz sich diesbezüglich bereits in einer Testphase befänden und man deren Erfahrungen abwarten wolle.

Eine ausführlichere Chronologie der ganzen Aktion inklusive allen Medien und seiner persönlichen Meinung findet ihr drüben beim Kevin. Den Schweiz Aktuell Bericht nach dem Klick.

Das Foto oben ist übrigens das Artikel-Bild des Bündner Tagblatts und wir sehen darauf rückblickend lustigerweise ziemlich betroffen aus. Wie ich finde. Es entstand augenscheinlich zur gleichen Zeit wie das Foto unter Über. Danke an Herrn Hartmann.


Schweiz aktuell vom 08.12.2011

    4 Kommentare

  • Pahaha, ich krieg mich nicht mehr ein. Sehr tolle Aktion. Dafür solltet ihr als Ehrenbürger anerkannt werden.

  • Tssss tssss, immer diese Internetz-Menschen mit zu viel Freizeit! Macht doch mal was Vernünftiges aus euch!

    (Subtext: Großartig!)

  • wenn du das so schreibts:

    Es war eine Erfahrung und die beachtliche Dynamik, die die Aktion entwickelte, stets äusserst spannend zu beobachten. Ich persönlich machte zudem auch erste Erfahrung mit den Medien, deren Handhabung ganz offensichtlich eine Wissenschaft für sich ist: Sarkastische Aussagen werden zu Fakten und sogar zum Aufhänger, scheinbar nicht wirklich informierte und offenbar desinteressierte Datenschützer werden zitiert und allgemein wird lieber nachgeplappert und verdreht, anstatt selber nachzufragen. Das war so gesehen überaus ernüchternd. Aber eben, eine Erfahrung.

    dann beschreibt (oder evt. besser: bestätigt) das für mich einmal mehr, das diese (alten) medien ausgelutscht sind…. und halt der zeit (oder dem inter’nett…) nicht mehr nachkommen…. doch was oder es wie besser ist, kann man noch nicht sagen; denn das inter’nett ist “eine Technologie in den Kinderschuhen” (Zitat Stefan M. Seydel: siehe http://www.amazon.de/Die-Form-Unruhe-Praxis/dp/388506474X)….

  • hahahaha, han mi krümmt vor lacha! wia gail wia gail!! mega stylisch ier hochstapler! :D haha
    guats neus no… ;)

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Zum Mensch

Der fastvierteljahrhundertjährige Damian ist ausserordentlich gerne im Internet unterwegs, obschon er alles andere als ein Internetkind erster Stunde ist sondern während seiner Kindheit lieber Bäume gefällt hat und von Stalldächern in Tiefschnee gesprungen ist. Sein beruflicher Werdegang beinhaltet eine technische Ausbildung in der Baubranche, welche rückblickend aber eher eine Selbstfindungsphase war, ihm aber ein sehr ausgeprägtes wirtschaftliches Verständnis auf den Weg gab. Mittlerweile hat er sein langjähriges Hobby zum Beruf gemacht und darf bei seinen konzeptionellen und grafischen Arbeiten in der Werbeagentur CLUS stets aufs Neue feststellen, dass seine autodidaktische Ausbildung sehr effizient war und das ihm nachgesagte Gespür dafür kein Hirngespinst ist. So empfiehlt er seinen Arbeitgeber natürlich gerne weiter oder erledigt kleinere Arbeiten auch privat. Einfach melden.

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Aus den knapp dreizehn Billiarden Websites die er gerne liest, filtert Damian zum Wohle der Menschheit das in seinen Augen beste heraus und präsentiert es, garniert mit seiner Meinung dazu, auf diesem Blog hier.

Dazu gehört vor allem alles Schöne. Von Graphic- über Web- bis hin zu Motiondesign, aber auch Kurzfilme, Videos und ‘klassische’ Kunst. Allgemein hegt er ein Faible für alles, was dem Betrachter ein “Woah” zu entlocken vermag.

Das zum einen. Zum anderen bloggt er gerne über lustiges Zeugs. Insbesondere in der von ihm als Neuzeit-Humor bezeichneten Kategorie Internet-Humor (Wait what).

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