Auf dem überaus lesenswerten Bildblog findet man heute einen Eintrag, welcher sich auf einen Artikel in der Welt am Sonntag vom 30. August bezieht. In besagtem Artikel beschreibt der Autor Philipp Tingler sein “erstes Mal”. Und zwar sein erstes Mal in der First Class der Singapore Airlines. Also fliegen. Nicht pimpern. Jedenfalls ist dieser Artikel so dermassen zähflüssig, ätzend schleimig und samenlösend schmeichelnd geschrieben und zudem ausschliesslich mit PR-Fotos bebildert, dass der Deutsche Presserat eine Rüge wegen Schleichwerbung aussprach. Was ja eigentlich schlimm sein sollte, in Deutschland aber den wenigsten Medien Eindruck macht.
Aber egal. Das lustige daran, was Bildblog nicht erwähnt, ist ja, dass ausgerechnet die Welt am Sonntag mal einen kleinen Knatsch mit Singapur hatte. Und jetzt muss ich schnell ausholen. Ein wenig.
Von all den Autoren, die ich beim Namen nennen kann (So 3-4. Etwa.), ist Christian Kracht ja mein absoluter Liebling. Und dieser Kracht, durfte Ende der Neunziger ob seines enormen Erfolgs mit seinem Erstling Faserland einfach so in ganz Asien herumreisen und Reiseberichte schreiben, die dann in der Welt am Sonntag als Kolumne veröffentlicht wurden. Diese Reiseberichte wurden dann später auch als gesammeltes Werk unter dem Namen “Der gelbe Bleistift” veröffentlicht. Wer sich also ein Bild von einem asiatischen Land machen will, geht entweder selbst dahin oder liest dieses Buch. Wirklich sehr, sehr grossartig. Wirklich. Grossartig.
Jedenfalls. Kracht besuchte während seiner höchst grosszügig subventionierten Reise auch Singapur. Und dieser Abschnitt im Buch ist besonders lustig. Denn er beschreibt Singapur mit kontinuierlich steigernder Verabscheuung. Die Falschheit des Landes kritisiert er insbesondere. Der Luxus, die Sauberkeit, die Freundlichkeit und die Offenheit gegen aussen im Widerspruch zu Prügelstrafen beim kleinsten Vergehen, der Todesstrafe oder die totalitär anmutenden Gesetze wie zum Beispiel Kaugummiverbot (nur mit Arztrezept), Oral- und Analverkehrverbot oder auch das Gesetz, das es einem untersagt, Singapur mit einem Auto zu verlassen, welches nicht mindestens zu ¾ getankt ist.
So also zieht Kracht, meiner Meinung nach berechtigt, seitenweise über Singapur her und macht so, bei über einer Million Leser der Welt am Sonntag, sicher keine gute Werbung für Singapur.
Das hat Singapur dann auch gemerkt. Nach der veröffentlichung besagter Kolumne bekam Christian Kracht 5 Jahre lang Einreiseverbot. Und die Singapure Airlines stornierten jegliche Inserate-Deals per sofort und auf weitere 2 Jahre.
Demzufolge war jetzt der schleimige Artikel von Philipp Tingler also eine Wiedergutmachung für Krachts Vergehen. Oder so.









































5 Kommentare
sali caduff
Eigendlich wollte ich dir den Serben hier posten: http://www.facebook.com/#/profile.php?id=1297795144
Sein Profilbild erinnerte mich an dein altes.
Da stellte ich mit Erschrecken fest, dass du Facebooksuizid begannen hast. Ein eher neues gesellschaftlices (noch) Randproblem, welches mir zusehens Sorgen bereitet. Ich weiss, Damian, das (Facebook-) Leben erscheint oft Sinnlos und Anstrengend. “Immer de glich Scheiss!”, denk auch ich oft. Doch willst du wirklich ohne min. 400 Freunde leben (absolutes Minimum, versteht sich)? Ohne Ferienfotos deiner lieblings Frauen? Mir das Leben schwer machen, wenn ich dir etwas posten will? Ich hoffe nicht!
Die gute Nachricht ist: Du kannst die Kerze deines (Facebook-) Lebens wieder entzünden (Sorry, das war kein atheistengerechter Satz)! “It’s free and anyone can join” wie es so schön auf der Startseite heisst. See you soon, back alive!
btw: Wo ist eigendlich der Blogeintrag zum Suizid? Link bitte!
Nun zum Wichtigeren: Mein Vornamensvetter ist ja bei dir immer noch im Trend. Ich Weile zur Zeit in Neuseeland und überlege mir, noch einen Abstecher nach China zu machen. Daher meine Frage: Kannst du mir so ein “gelber Bleistift” kaufen und nach Neuseeland schicken? Die Kosten übernehme ich natürlich. Währe echt cool.
Überigens: Schon mal was von Tom Kummers Buch “Blow Up” gehöhrt? Das könnte was sein für dich, Caduff (den Satz kennst du ja).
Check doch mal: http://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Kummer
Falls es dich interessiert, kann ich veranlassen, dass dir das Buch leihweise zugeschickt wird.
Gruss
Schelbi
Hallo Schelbert,
Da ich auf mindestens 3 Internetseiten aktiv bin und Mails praktisch zu jeder Zeit beinahe schneller beantworte als SMS und ich sogar, holy shit, einen Twitter-Account besitze, sehe ich wenig Grund wieder Mitglied bei Facebook zu werden. Denn mein äusserst feinmaschiger und sehr sensibler Schwachsinnfilter würde auf Facebook verstopfen.
Der allererste Blogeintrag streift thematisch meinen Ausstieg aus Facebook.
Selbstverständlich kann ich dir eine Ausgabe zukommen lassen. Schick mir doch dafür bitte deine Adresse per Mail.
Nein, Tom Kummer kenne ich nicht. Werd mir aber mal was besorgen von dem. Obwohl der ja keinen wirklich ruhmreichen Werdegang hat.
Gruss Damian
Da scheinen die Stellungen bezogen zu sein….und rechte Bein noch im Bett…
Egal. Ich werde dir meine Adresse schicken. Super Zug von dir. Danke.
Sein Fall war natürlich nicht ruhmreich. Aber von einem nicht ruhmreichen Werdegang zu sprechen ist meiner Ansicht nach dann doch ein bisschen gewagt. Egal. Und Ruhmlosigkeit sagt ja nicht über Qualität aus. Und ich sehe, dass ich die Wikiseite etwas zu blind gepostet habe. Sagt wenig über den Herr aus. Ziehs dir Rein. Das angebot steht: Ich kanns dir zukommen lassen. Ich kanns auf der anderen Seite der Welt eh nicht gebrachen….
Jo DAS würd ich nie machen. Aus Privatem Mist auf die Arbeit schliessen. Dann dürfte ich jetzt ja des Polanskis Filme plötzlich nicht mehr gut finden. :-)
Schon gut, ich hol mir selber irgendwo eines. Auf Exsila oder so. Aber vielen Dank für das Angebot.
hab verstaden.
was vieleicht noch zu sagen ist, ist dass das Ganze halt ein bisschen einen surrealen Touch hat.
Wer mit z.B. Salvador Dalis (Welt-)Blick (Eines Tages wird man offiziell zugeben müssen, daß das, was wir Wirklichkeit getauft haben, eine noch größere Illusion ist als die Welt des Traumes.) nichts anfangen kann, ist bei Kummer evt. ein bisschen falsch aufgehoben.
anyway. wenn dan doch kummer wird dan start doch mit “Blow Up” (Der Titel ist übrigens eine Anlehnung an Antonioni Blow Up). Da erklährt er was er “gemacht” und probiert sein “Verbrechen” verteidigen.
Ist nicht jedermans Sache aber mir Gefählts.