Kurzmeinungen #3


Am Samstag war ich Dank und mit unter anderem Herrn Owley (und Herrn Leuch und Herrn Feltscher und Herrn Furrer und Herrn Gabathuler und Herrn Fetz) an der Europa-Premiere von Cowboys & Aliens am Filmfestival in Locarno und durfte nach der Hauptvorstellungen einfach sitzen bleiben und mir auch noch den wirklich ganz ganz fantastischen Drive ansehen. Und da ich zudem Mitte letzte Woche und gestern auch noch im Kino war, dachte ich mir, ich könnte wieder einmal eine meiner unreflektierten Kurzmeinungen schreiben.

Und so sei es.

Green Lantern


Die von mir alles andere als sehnlichst erwartete Verfilmungen vom hierzulande doch eher unpopulären Green Lantern hat mich dann schlussendlich doch positiv überrascht. Äusserst kurzweilige Action in fast ausschliesslich cooler Optik mit bis auf die eine wahnsinnig schlecht montierte Nahaufnahme bei der ersten Flugszene auf dem Heimatplaneten des Corps sehr schicken Special Effects. Keine Ahnung was da schief lief. Ansonsten sieht das ganze wie gehabt sehr gut aus. Besonders im Vergleich mit Thor, der ja an lediglich zwei Schauplätzen spielt, kommt in Green Lantern auch tatsächlich ein bisschen Grösse und Wucht auf. Und der immer grösser werdende Parallax hat mich sogar sehr beeindruckt. Das plastische Rendering aus undeutbarem Material ist eine nette Abwechslung zu den sonst so oft bei formlosen Über-Figuren verwendeten Schwarm-Renderings wie beispielsweise in The Day the Earth Stood Still. Auch die Gesichtsanimationen von beispielsweise Abin Sur sind sehr hübsch anzusehen und das Charakterdesign der verschiedenen Green Lanterns ist, nicht wie in anderen Filmen mit möglichst divergierenden Rassen, grenzenlos dämlich und stets zu humanoid sondern konsequent inkonsequent und zeigt vom Riesenoger bis hin zum kleinen Wespen-Alien etliche Gattungen die das bekannte Symbol und den legendären Ring tragen dürfen.
Also alles in allem ein ziemlich netter Film mit einem ein klein wenig zu hastig abgewickeltem Finale und einem zwar comictreuen aber fast schon zu cliffhangerigem Cliffhanger. Fazit: Weniger dümmlich und weitaus unterhaltsamer als erwartet. Von Captain America erwarte ich aber einiges mehr.

Cowboys & Aliens


Hihi, ich war an der Premiere. Und ich hab den Craig, den Ford, den Favreau und die Wilde aus 500m Entfernungen gesehen. Hihi. Und ihr nicht. Hihi.

Ein schöner Film. Ein wirklich ganz schöner Film. Der lustige und scheinbar kontinuierlich dicker werdende John Favreau wird erwachsen und zeigt mit Cowboys & Aliens auf, dass er mehr oder weniger seinen eigenen Weg geht und liefert dem gängigen Studio-Credimus von wegen “immer grösser und schneller und heftiger” zum Trotz einen im Gegensatz zu seinen Hits Ironman und Ironman 2 fast schon unspektakulären Science Fiction Film ab. Und es verwundert auch nicht, dass er während der Eröffnungsrede den Film mehrheitlich als Western betitelt und vor allem die Westernelemente erwähnt, zumal der Film im Grunde genommen auch das ist. Kernige Typen prügeln und reiten durch kernige Landschaft, trinken kernige Drinks, hauen sich kommentarlos in die Fresse und auf den Putz und bandeln um den einzig weiblichen Nabel. Nur kommen halt in diesem speziellen Falle auch noch Aliens hinzu. Doch dieser ja eigentlich nicht gerade unwichtige Fakt wirkt im Film so angenhem dezentral und nebensächlich behandelt, dass die ganze Angehörigen-Entführungs-Rolle auch irgendwelche Indianer hätten übernehmen können. Denn für die Cowboys sind die Aliens nach dem ersten Schrecken eigentlich bloss noch ein Problem, welches es zu lösen gilt. Es wird, im Gegensatz zu den meisten anderen Alien-Filmen nicht mehr stundenlang darüber sinniert und philosophiert von wo die jetzt kommen oder was genau die jetzt wollen. Es wird einfach registriert, dass sie feindlich gesinnt sind und ihnen folglich ins Gesicht geschossen. So geht das.
Klar wird um den ganzen bereits mittels des Filmtitels resümierten Plot auch noch eine etwas komplexere Geschichte gestrickt. Man lässt den Zuschauer ein bisschen im Dunkeln, lässt in rätseln, führt ihn in die Irre, streut Erotik und Drama. Das übliche halt. Aber faktisch ist es trotzdem ein klassischer Western. Und halt eben die Aliens. Welche überdies ausserordentlich gut gemacht sind. Also bezüglich des Designs. Da ziehen sie zwar im Vergleich mit der wunderbar retroesken, steampunkigen Design der Alien-Technologie den Kürzeren, sind aber immer noch weitaus besser und nach angenehm kurz gehaltenem Anteasern weniger desillusionierend in ihrem tatsächlichen Erscheinen als in haufenweise anderen Filmen. Schauspielerisch natürlich auch top: Daniel Craig ist gewohnt cool und wortkarg aber faustreich, Harrison Ford ist anfangs verbittert im Grunde genommen aber eine sehr tragische Figur, was er auch darzustellen vermag und Olivia Wilde sieht selbst brennend grenzenlos scharf aus. Wesentlich zu kurz kommt meiner Meinung nach allerdings der grossartige Sam Rockwell, dessen Rolle und deren Oneliner seiner nicht würdig sind. Eine kleinere dafür prägnantere Rolle wie er beispielsweise in Ironman 2 hatte wäre ihm besser gekommen als dieses ständige im Hintergrund stehen. Screentime ist nicht gleich Screentime. Schade.
Ansonsten, wie gehabt. Ein schöner Film. Unbedingt ansehen.

Super 8


Wenn es nach gefühlten Jahrzehnten endlich wieder einmal ein Film schafft massentaugliches Unterhaltungskino in Reinform zu sein, werden zu Recht schnell einmal Vergleiche mit Spielberges Amblin-Zeiten und, in diesem Falle natürlich auch thematisch bedingt, zu Jugendfilmen wie Stand by Me oder E.T. gezogen. Und was J.J. Abrams hier mit Super 8 liefert ist genau genommen eine einzige riesige Hommage an besagte Ära. Der Film erfindet das Rad nicht neu, sondern wiederbelebt den Prototypen des selbigen. Er weckt Erinnerungen an meine Kindheit und an die von vielen anderen Generationen vermutlich auch. Ein Film über Kinder, die den Reifeprozess eines jeden durchleben, bloss mit spektakuläreren Rahmenbedingungen. Es geht um Freundschaft, um die erste Liebe, um Verlust und um die Familie. Kurz: Um die Kindheit. Und Abrams zeigt dies mit seinem angenehm unverbrauchten Kinder-Cast in solch wunderbaren Aufnahmen und mit einer dermassen liebevoll konstruierten Geschichte, dass einem warm ums Herz wird. Die Charakterzeichnung der Kinder ist derart gelungen, wie man es schon lange nicht mehr im Kino sah. Vermutlich eben seit Stand by Me nicht mehr. Jeder Figur eine kleine Macke zu geben und diese 2-3 Mal zu zeigen ist zwar ein einfaches Mittel um Charaktertiefe vorzugaukeln aber es funktioniert hervorragend. Bei der Hauptfigur selbst begnügt er sich selbstverständlich nicht damit und lässt vom ersten Shot an eine bedrohliches Ereignis über dem Vater-Sohn-Duo schweben, welches zwar von Anfang an ohne grosse Erklärung klar ist, sich im Verlaufe des Film aber in seiner Komplexität steigert und auch andere Figuren tangiert. Sehr schön.
Weiter auffällig fand ich persönlich den Look des Films. Bis auf die von Abrams ohnehin ein bisschen zu übertrieben verwendeten Lens Flares schaut der Film durch und durch alt aus. Im positiven Sinne natürlich: Farbig ohne knallig zu sein, viele lange, wortlose Gesichtsaufnahmen und haufenweise Slider- oder Cranecams. Alles wunderbar dynamisch und ausserordentlich elegant, so dass selbst normale Fahrrad-Szenen schön anzusehen sind und sich frisch und wichtig anfühlen. Schwer zu beschreiben, angenehm anzuschauen. Ich wünsche mir, nebst den ‘richtigen’ Krachern, mehr solcher Filme. Denn natürlich muss man dem Film heutzutage auch sehr hoch anrechnen, dass er KEIN Prequel Sequel Remake Reboot oder was auch immer ist. Eigenständig und gut. Unterhaltungskino halt.

Drive


Dass man nach der okayen Pusher-Trilogie, dem wirlich ausserordentlich gigantisch fantastischen Bronson und dem sagenhaften Valhalla Rising bei mir gewisse Erwartungen schürt ist ja wohl logisch. Wenn man diese dann mit dem nächsten Film auch noch übertrifft und selbigen auf meiner ziemlich wirren Highlight-Liste direkt nach oben katapultiert, darf man den dafür verantwortlich Regisseur durchaus als talentiert bezeichnen. Und seinen Film als sehenswert. Also sehenswert für mich. Und für viele andere auch. Für sehr viele mehr aber ganz und gar nicht. Denn Nicolas Winding Refns Verfilmungen von James Sallis Roman Drive ist definitiv kein gewöhnlicher Film. Dies zeigt sich bereits nach dem grandiosen Opening, wenn der Filmtitel in rosaroter Schnürlischrift eingeblendet wird oder wenn dann Dialoge halt mal länger als gewöhnlich dauern und dazu vielleicht nur aus einem Satz bestehen oder wenn nicht alles gezeigte restlos erklärt wird, sonder sich der Zuschauer selber zusammenreimen muss, was er da soeben gesehen hat oder wenn ultraharmoische oder romantische Aufnahmen durch unendlich brutale Gewaltszenen ‘unterbrochen’ werden oder wenn bei einem Mord eine Art Disney-Song läuft werden viele versucht sein, den Film bestenfalls als merkwürdig schlimmstenfalls als scheisse zu bezeichnen. Ich mag eigentlich gar nicht mehr viel dazu sagen und die Synospis entnehme man bitteschön dem Trailer. Aber man sollte keine falschen Erwartungen haben. Sondern ihn sich einfach mal ansehen. Oder Reviews von Leuten lesen, die mehr Ahnung haben. Denn ich bin immer noch ein bisschen sprachlos. Ernsthaft.

Hier noch wie üblich: Diverses

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    12 Kommentare

  • Andreas

    heutzutage wird allgemein viel zu wenig in gesichter geschossen!

    (häsch am craig jetzt eis ind fassada brennt!?)

  • Cowboys & Aliens hat mich aufgrund des Alien Aspekts irgendwie so garnicht interessiert, aber deine Beschreibung macht das ganze schon schmackhafter.

  • Ich hab die

  • @Claus: die machen das interessant-sein an diesem film doch erst gerade aus :-D

  • Hihi ich hab Ford, Craig und Wilde aus 100m Entfernung gesehen :P

  • Auf Cowboys &Aliens freue ich mich so sehr! Sehr aufgeregt habe ich mich übrigens über eine Meinung zum Film von der Zeitschrift “Virus”: der Film wurde noch nicht gesehen(!), nur Prognosen dazu abgeliefert. Prädikat: die schlechteste “Bewertung” die sie zur Verfügung hatten (zweimal Minus also). Dabei klingt das doch grandios! Die haben keine Ahnung…! Ich jedenfalls muss nicht unbedingt Vorabbewertungen schreiben (oder lesen) und eine Zeitschrift, die solch einem Konzept nichts abgewinnen kann, passt auch irgendwie nicht zu mir. Als nächstes findet sie noch Dead Snow scheiße. Und das als Horrormagazin. Diese Bengel.

    Ähm ja. Die anderen Filme stehen bisher nur auf meiner DVD-Liste.

  • Die kleine Dame

    Ryan Gosling und Carey Mulligan zusammen in einem Film? Yaaaaay!

  • @Zeitzeugin: Die schlechteste Bewertung die möglich ist ohne einen Film gesehen zu haben? Ein solches Magazin sollte man gar nicht erst lesen.

    @Die kleine Dame: Gosling entwickelt sich übrigens glücklicherweise weg von seinem The Notebook-Kacki-Lover-Kacki-Image. Der hat das genug früh erkannt.

  • <3 Ryan Gosling <3
    Trotz The Notebook. Oder gerade deshalb. Thihihi.

  • Sowas. Ich war auch an der Premiere, hab euch aber gar nicht gesehen. NÄMLICH GOPFERTAMI.

    Und könntest du Jon Favreau bitte Jon Favreau schreiben und Iron Man nicht wie das doofe Rennen mit all den halbnackten Volltölpeln? Danke. Ich krieg sonst Peniskrebs am Auge.

    Bei Cowboys & Aliens bin ich ja recht stark deiner Meinung, auch wenn ich der Meinung bin, dass die Aliens recht billig waren. So 0815, und eigentlich genau derselbe Look wie in Super 8. :) Drive fand ich aber zeitweise etwas gar klischeehaft, was er ja grösstenteils eben gerade zu vermeiden versucht. Und dazu täuscht er imho manchmal Tiefsinn und Arthousesquität vor, mit diesen langen Dialogen und so. Vielleicht ist er aber wirklich gut. Ich war ab dieser Armschnippszene nicht mehr ganz so Fan vom Film. Aber der Schluss ist hammermässig gemacht. Den fand ich wirklich super, spannend und wie hiess das noch…? … gut.

    Und weisst du jetzt, was ich mit dem Super 8-Zombie meine? Hä? :) Hab dich schon veräppelt.

  • Green Latern und Drive hab ich noch nicht gesehen.
    “Super 8″ fand ich großartig, bis jetzt meine große Kino-Überraschung in diesem Jahr, weil ich den ja anfangs gar nicht sehen wollte, weil von wegen der Trailer so nach reinem Monster-Film a la Cloverfield aussah. Von daher war ich da sehr, sehr, sehr positiv überrascht.

    “Cowboys und Aliens” habe ich gestern in der Deutschlandpremiere gesehen und bevor hier jemand mit 500m Entfernung angibt: Ich durfte die komplette Cast inklusive Favreau in Einzelinterviews sprechen. D.h., Han Solo persönlich hat mir zweimal die Hand geschüttelt ;) (nur mal so nebenbei). Der Film ist wirklich klasse geworden (auch nur so nebenbei).

  • Die kleine Dame

    @Lara: Ich auch :D :D

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Rauf
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Der fastvierteljahrhundertjährige Damian ist ausserordentlich gerne im Internet unterwegs, obschon er alles andere als ein Internetkind erster Stunde ist sondern während seiner Kindheit lieber Bäume gefällt hat und von Stalldächern in Tiefschnee gesprungen ist. Sein beruflicher Werdegang beinhaltet eine technische Ausbildung in der Baubranche, welche rückblickend aber eher eine Selbstfindungsphase war, ihm aber ein sehr ausgeprägtes wirtschaftliches Verständnis auf den Weg gab. Mittlerweile hat er sein langjähriges Hobby zum Beruf gemacht und darf bei seinen konzeptionellen und grafischen Arbeiten in der Werbeagentur CLUS stets aufs Neue feststellen, dass seine autodidaktische Ausbildung sehr effizient war und das ihm nachgesagte Gespür dafür kein Hirngespinst ist. So empfiehlt er seinen Arbeitgeber natürlich gerne weiter oder erledigt kleinere Arbeiten auch privat. Einfach melden.

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