Das Kino Chur gleicht bezüglich seiner Art und Weise der Bewirtschaftung einem körperlich behinderten Kind. Behindert insofern, als das nur wenig so funktioniert, wie es sollte und Kind deshalb, weil seine Naivität und seine Trotzigkeit stark dem eines Kleinkindes ähneln.
Man muss aber beachten, dass das Kino Chur auch vieles richtig macht. Die haben nämlich Popcorn. Und, ähm, Cola. Und bestimmt noch viele weitere tolle Dinge, welche mir im Moment nicht einfallen wollen.
Nicht so toll hingegen ist zum einen die Technik. Ich bin bei weitem kein Experte, weder was Ton noch Bild anbelangt. Doch die fortschreitende Mobilität erlaubt heutzutage dem Durchschnittsbürger, ja sogar dem Bündner Durchschnittsbürger, seinen geografischen Horizont zu erweitern und auch zu beschreiten. So kommt man dann schnell einmal in den Genuss eines Kinos, welches mit seinem Namensvetter in Chur, ausser eben dem Namen, nur wenig gemein hat. So staunt man dann ob dem Klang, dem Bild, dem Rahmenprogramm und, ganz wichtig, den moderaten Preisen. Und man zieht Schlüsse. Zum Beispiel bin ich zu dem Schluss gekommen, dass das Kino Chur scheisse ist. Wenn ich für ein Schächtelchen M&Ms 7.- CHF zahle und das Getränk nochmals 3.50 CHF kostet, habe ich also beinahe zweimal den Eintritt gezahlt um mir nachher einen Film auf einer Leinwand zu sehen, die verglichen mit Arthouse-Kinos vielleicht gerade noch untere Grenze, für Meisterwerke wie zum Beispiel Public Enemies aber geradezu eine Zumutung ist. Dass die Projektion die Decke streift und somit unsäglich nervige Reflektionen verursacht möge an dieser Stelle noch verziehen sein, denn es ist auch wahnsinnig schwierig diesen halben Quadratmeter Leinwand zu treffen. Aber das trapezförmige Bild, welches Johny Depp zum Conehead macht und zu dessen Vermeidung mittlerweile jeder fünftklassige Acer-Plagiat-Beamer im Stande ist, ist fast schon bösartig.
Anal unterstrichen wird diese Reihenvergewaltigung von Filmen noch durch den Ton. Gäbe es gesetzliche Vorschriften für Kinoqualiät, sässe das Kino Chur nur schon des schlechten Tones wegen lebenslänglich. Dieses scheppernde, dröhnende, basslose, sich überschlagende Irgendwas das jeden Film in Chur begleitet gleicht mehr dem Klang eines onanierenden Decpeticon und wandelt sogar eher soundeffekt-unabhängige Filme wie Hangover ins reinste Martyrium. Aber auch das ist verzeihlich, denn es bedarf halt mehr als Handylautsprecher um dem heutigem Klangstandart mit all dem wirren Sorroundsound und so Zeugs gerecht zu werden. Und das Kino Chur hat nicht mehr als Handylautsprecher. Wieso auch. Nichts als moderner Humbug.
Aber, und ich weiss nicht ob das jetzt für oder gegen sie spricht, die Geschäftsführer der Churer Kinos sind sich eines technischen Defizits gar nicht bewusst. Denn wie gewisse Insider-Kontakte die ich pflege (oho!) zu berichten wissen, wurde vor kurzem an einer Mitarbeiterbesprechung (oder so) auf das kommende Sommerhighlight Ice Age 3 aufmerksam gemacht und voller Stolz berichtet, dass geplant sei, diesen in 3D zu zeigen. Mein Insider-Kontakt, welcher eher NICHT technisch versiert ist, musste dann den Vorstand schüchtern darauf aufmerksam machen, dass dies nicht möglich sei. Aber ok, so als Kinoführungsperson hat man doch keine Ahnung von all dem Technikkram. Man ist ja schliesslich damit beschäftigt, seiner kompletten Verwandtschaft einen vollbezahlten künstlichen Arbeitsplatz zu generieren, welchen ich dann mit dem astronomischen Zuschlag auf M&Ms finanziere.
Die Bewirtschaftung ist ebenfalls mehr als peinlich. Sich auf der einen Seite über ausbleibende Kinobesucher und Umsatzeinbussen zu mokieren und auf der anderen die Innovativität eines Gebüschs an den Tag zu legen grenzt an krankhafter Schizophrenie. Haben die überhaupt eine Ahnung, wer ihr Publikum ist? Wissen die, dass der Grossteil ihrer Besucher Stammkunden sind, welche sie durch ihr unprofessionelles Verhalten mehr und mehr vergraulen? Wissen die, dass nicht gerade wenige Menschen einen Fernseher zu Hause haben, der ihre beleuchtete Windel, welche sie Leinwand nennen, bezüglich Grösse beinahe und bezüglich Klangqualität vollends übertrifft? Wissen die, dass es Leute gibt, die es als Affront empfinden einen Film wie Public Enemies auf briefmarkengrösse schauen zu müssen? Wissen die, dass ein neues Kino zu bauen durchaus rentieren würde, da das Erschliessungsgebiet nicht gerade klein ist? Und dass das JETZT geschehen müsste, weil ihnen sonst eine grosse Kinokette zuvorkommt und sie dann wieder rumjammern?
Anscheinend nicht.
Und ja, korrekt, ich bezeichne die Churer Kinos als mafiös geführten, inkompetenten, horizontlosen, sinnlos Kulturgelder verschlingenden Misthaufen und gehe dennoch regelmässig dahin. So what?
Ich bin überzeugt, dass ich mit 2-3 von mir ausgewählten Geschäftspartnern, dieses Kino weitaus besser führen würde, als dies jetzt der Fall ist. Garantiert.
In Bezug auf regelmässig geäusserte Kritik meinerseits wurde ich mal darauf aufmerksam gemacht, dass die Churer Kinos “aber soooo herzig und heimelig sind und einen unheimlichen Charme versprühen”. Ich versprüh gleich Kotze. Ernsthaft. Eine solche Aussage müsste man aufgrund Mittäterschaft und Beihilfe zu Filmmord strafrechtlich verfolgen. Ich weiss, ja, in Superduper-Zürich gibts auch diese kleinen, heimeligen Kinos. Aber genau darum bedingt dieser Scheiss von wegen Charme und heimelig, dass ich eine mindestens mit Cineplexx ebenbürtige Alternative in Chur habe. DANN kann man mit heimelig & co kommen. Dann ist nämlich “heimelig” nicht mehr mit veraltet und pervers schlecht gleichzusetzen.
Jeden scheiss Franken denn ich in diesen Scheiss investiere kotzt mich unglaublich an. Und ich investiere IMMENS viel in diesen Scheiss. Verdammt.
Uff.









































6 Kommentare
öööla dmn, hesch de text amol da gschäfftsfüahrer gschickt? kasch jo au a unterschriftaaktion starta um dia mafia zum umdenka ds bewega. i fahra gar nümma uf chur zum ins kino goh, also nümma wuchentlich, sondern eher halbjöhrlich. wenn überhaupt… aber joa.. schaiss uf heimelig! rocka muasses!!
arm
ps:
=> zum ps no…. ;)
ps: cooli sita hesch ufbaut und guati text! richti dmn-like! i like it! ;)
Ja, hab denen jetzt mal einen Brief (!) geschrieben, denn eine Mailadresse findet man peinlicherweise nirgends. Der gesendete Text ist aber leicht entschärft. :-)
Den Brief und die Anwort werde ich, sobald erhalten, hier zeigen.
Gschider schicksch dä briaf am Thomas Domenig. schribsch er söll as zitgemässes kino macha. das bringi einersits ihm sehr viel ih, zweitens leischti är eimol meh guati arbet fürd d stadt.
denn hetter freud. und miar au.
Hat was…! Mal sehen.
Nur ein kommentar. er hat zu 100% recht. Naja ich find nicht nur das Churer Kino zum kotzen