
Frankreichs Regierung bemüht sich im Moment um ein Internet “á la chinoise” und meint damit eine staatliche Kontrolle, also Zensur, im Stil von China. Diese orwellsche Dystopie übertreffen könnte voraussichtlich eigentlich nur noch Deutschland im Falle einer Annahme der geplanten Altersbeschränkung für das Internet, welches eine zeitlich beschränkte Erreichbarkeit für beispielsweise Seiten ‘ab 16 Jahren’ vorsieht.
Jedenfalls. Weils grad wieder aktuell ist eine kleine Geschichte, die von den ‘klassischen’ Medien selbstverständlich kaum bis gar nicht aufgegriffen wurde: Das in Frankreich geplante “Gesetz zur Verbreitung und Schutz schöpferischer Werke im Internet” kurz Hadopi, ist lustigerweise in ein gigantisches Fettnäpfchen getreten. Und zwar wurde das Logo von Hadopi, also dem Gesetz gegen unter anderem Raubkopien, mit einer raubkopierten Schrift gestaltet. Und zwar nicht irgendeine Schrift, sondern die Hausschrift der France Télécom. Und zwar die Bienvenue. Die Verantwortlichen wollten sich dann peinlicherweise noch rausreden und warteten mit einer obskuren Theorie von wegen “Früh-Release” und “lediglich ein Entwurf” auf. Diese Ausreden wurden dann aber kurz darauf als Lüge entlarvt. So stellte Hadopi zähneknirschend ein überarbeitetes Logo vor und entschuldigte sich halbpatzig. Aber, und jetzt kommts, mit dem neuen Logo verstiessen sie durch einen verspäteten Lizenzerwerb erneut gegen Lizenzbestimmungen. Und zwar gleich zweimal.
Man muss sich das jetzt mal vorstellen. Die Anti-Piracy-Behörde verstösst gleich dreimal hintereinander gegen das von ihnen selbst noch strenger vorgesehene Anti-Piracy-Gesetz. FAIL, könnte man jetzt hier passenderweise sagen.
Die ganze Geschichte mit allen beteiligten Büros, Organisationen, Agenturen und Blogger liesst sich indes wie ein Krimi. Schade, dass man davon kaum was in den Zeitungen lesen durfte. Aber diese sind ja der ganzen Materie, also dem Internet in seiner wesentlichen Form, herrlich fremd und verhaspeln sich jeweils in jedem Bericht darüber und jeder versuchten Annäherung mindestens einmal. Oder sie geben sich selbst unfreiwillig altmodisch beim verwenden von ‘Fachbegriffen’ und deren grossväterlichen Erläuterungen.
Die Südostschweiz zum Beispiel schrieb dazu in ihrem heutigen Bericht über den Widerstand der Internetgemeinde in Frankreich einen lustigen Satz. Respektive der Einschub ist lustig.
Der Geek – so nennen sich die Mitglieder der französischen Internetgemeinschaft – warnt vor nichts weniger als einer “digitalen Diktatur”.
Aha. Geeks nennen sich diese Franzosen also.









































5 Kommentare
Haha. Französische Internetgemeinschaft find ich auch ein sehr lustiger Begriff. Irgendwie. Also ob die so ihr eigenes französisches Internet hätten.
@Kevin: Die haben auch ein eigenes. Impfal. So voll schwul mit voll viel schwulen Baguettes und schwulen Baskenmützen und schwulen gestreiften Shirts und auf jeder Startseite erklingt ein ohlàlà.wav oder ein ohcontrère.flv.
wéwéwé.güügl.äfär
Faz ≠ SO oder hast ich jetzt da was falsches verlinkt?
Stimmt, die Zeitungen haben -leider- auch eine andere Leserschaft. Es wäre toll, wenn bald mal eine neue Generation von Journalisten antreten würde. Ist bitter nötig.
EPIC FAIL.
Dieses Internetzensurgeschwafle ist doch genau der gleiche Kack wie das angestrebte Verbot von “Killerspielen”. Ein paar Leute mit riesiger dummer Lobby sagen so: “Hey, das löst alle unsere Probleme, so ZACK!” und alle so “Yeeah”.
Aber ich finde das irgendwie auch lustig – die wollen das Internet zensieren? Es gibt megabyte grosse Kopierschutzmechanismen auf einer DVD, die innerhalb von einem halben Tag geknackt werden und dann wollen die im Internet (!) so eine Zensur einführen. Mä. Die glauben doch nicht im Ernst, dass das 1. durchkommt und 2. umsetzbar ist. Mä.
@Marco:
Nein, nicht falsch verlinkt. Siehe meine äusserst penibel geführten Quickinfos. :-)
Ich würde ja gerne auf die SO verlinken…aber du weisst ja…!
Aber selbst ein junger Journalist hätte es schwierig. Denn es ist sicher nicht einfach, einer teilweise doch recht alten Leserschaft das Internet zu erklären. :-)
@Till: Durchkommen Ja, umsetzbar denk ich auch eher Nein.