
Gestern tat ich mir, unglaublicherweise aus freien Stücken heraus, Ice Age – Dawn of the Dinosaurs an. Ich war nie ein grosser Ice Age-Fan, bin sehr wohl aber ein grosser Verehrer von Animationsfilmen. Animationsfilme zeichnen sich meines Erachtens, abgesehen natürlich von visuellen Schauwerten, durch den teils extrem subtilen und vielseitigen Humor aus. Vielseitig insofern, dass sie sowohl meine Grossmutter, meinen kleinen Nachbarn als auch mich zu unterhalten wissen. Und mir selbst würde ich jetzt einen relativ hohen Anspruch an Humor attestieren, zumal ich mich für Filme wie Scary-, Epic-, Date- oder Superheromovie und anderem Proletenfutter regelmässig fremdschäme.
Ice Age hat, kurz gesagt, einen Humor. Nämlich Slapstick. Dieser ist auch nicht schwierig umzusetzen und funktioniert alleine auch recht gut, wirkt aber im Zusammenspiel mit der Geschichte und den Charakteren angesichts der im Vorfeld so hochgelobten Drehbuchautoren und Regisseuren reichlich unbeholfen und dilettantisch. Und einen Film nur mit Slapstick zu füllen genügt, da dem direkten Vergleich mit Pixarfilmen ausgesetzt, schlicht und einfach nicht mehr.
Animationstechnisch ist Ice Age, meiner Laienmeinung nach, durchwegs solide birgt aber angesichts der enormen Einnahmen der beiden Vorgänger einige technische Peinlichkeiten die bereits zu Zeiten von Antz besser gelöst wurden: Wasser, Schnee (!) oder Lava wirken teils enorm platt und unplastisch und können nicht mit der gängigen Ausrede vom “angestrebten Comiclook” schöngeredet werden.
Auf ganzer Linie versagt haben die Macher von Ice Age, wie in allen Teilen zuvor auch, beim Charakterdesign. Die Figuren sind hässlich bis ins letzte Detail. Alles was niedlich sein soll ist hässlich. Was hübsch sein soll ist hässlich. Was lustig sein soll ist hässlich. Was cool sein soll ist hässlich. Figuren wie zum Beispiel das sowohl körperlich als auch geistig behinderte Faultier Sid, welches übrigens nicht mal annähernd Ähnlichkeit mit einem solchen hat, ist kontinuierlich und gnadenlos ultimativ scheisse. Er ist hässlich, dumm und nicht lustig. Er gibt mir als Zuschauer keinen keinen einzigen vernünftigen Grund, warum sich sein Mammut-Missgeburt-Freund in Lebensgefahr begibt um ihn zu retten. Er baut unentwegt Scheisse ohne dabei die tolpatschige Herzigkeit einer Dorie aus Finding Nemo inne zu haben und ohne auch nur im Geringsten witzig zu sein, woran aber sicherlich auch seine deutsche Synchronstimme schuld ist: Otto Waalkes. Dieses humornekrophile Fossil, welches eigene Witze selbst dann noch zu stimulieren versucht, wenn sie bereits verwest sind, hatte seine Zeit. Vor 20 jahren! Get the Fuck off und ruh dich auf deinen Loorbeeren aus.
Dann die Mammuts. Wie oben bereits angetönt: Missgeburten. Selbst eine karikaturistische Überzeichnung eines echten Mammuts legitimiert nicht dieses frisierte Geschwür, welches gleich bei beiden aus dem Kopf zu bersten scheint. Keine Ahnung was es ist, aber es ist hässlich. Schneidet das ab.
Die Dinos, nunja, die spielen in Anbetracht dessen, dass sie im Filmtitel erwähnt werden (Dawn of the Dinosaurs), eine eher untergeordnete Rolle. Der geglückteste unter ihnen, nämlich der Villain-Whateverosaurus Rudi, wird, lässt man seine hundertausendfache schemenhafte Andeutungen weg, mit ziemlich wenig Screentime gewürdigt.
Diese Screentime hat man dann lieber dem “Publikumsliebling” Scrat (Squirrel + Rat = Scrat, aha!) gegönnt. In endlos gleicher Manier geilt sich das epileptische Nagetier an seiner Eichel auf (Look at the Doppeldeutigkeit!). Was als Eröffnungs- und Trailerfigur im ersten Teil noch lustig war nervt hier nur noch. Und spätestens dann, wenn Scrat mit seinem weiblichen Pendant eine Wohnung möbliert ist die Figur definitiv totgezeigt.
Der einzige Lichtpunkt im ganzen Film ist das Wiesel Bak. Dessen Charakterdesign ist so grandios, dass er während des ganzen Film wie ein Fremdkörper wirkt und eher in einen Film wie Madagascar passen würde. Schade eigentlich.
Alles in allem kann, nein MUSS Blue Sky Studios noch einiges von Pixar und den sich ebenfalls stetig steigernden Dreamworks-Produktionen lernen. Und wird in Zukunft nicht mal was anderes so erfolgreich wie Ice Age, bestätigt das meine Theorie, dass derselbige ein Glückstreffer war. Denn Blue Skys bisherige Referenzen (Horton hears a Who, Robots und, äh, Ice Age) sprechen eher schmale Bände.
Und ja, ihr habt gerade richtig gelesen: Ich habe einen Kinderfilm verrissen, gefressen und blutig ausgekotzt rezessiert. Hach, macht das Spass.
Anbei noch ein kleiner Comic, der die Genialität von Pixar respektive deren Ausbleiben bei der Konkurrenz ziemlich auf den Punkt bringt:










































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