I CAN BE A VOLLDEPP

PepsiScreen (© by pepsi.ch)
Thomas Hossmann
aus Chur ist unter den Gewinnern des von Pepsi Schweiz lancierten Wettbewerbs I can be a Star.
Der Preis ist sensationell: Im kommenden Frühjahr wird sein Konterfei, zusammen mit den anderen glücklichen Gewinnern, die regulären Pepsi-Dosen und Flaschen zieren.

Herzliche Glückwunsch, Thomas. Du hast dich so gerade zum Volldepp gemacht. National.

Und warum?

Lass mich mal erklären. Der momentan dank Facebook & Co. ausufernde Geltungsdrang ist, wider aller Meinungen, rufschädigend. Ernsthaft.
Eine kleine Hochrechnung: 50% der Schweizer Bevölkerung ist das scheissegal. Die sind mal weg. Die kennen dich weiterhin nicht. Denen bist du egal.
Die andere Hälfte aber, und jetzt obacht, nämlich jene, welche das mitbekommt, teilt sich wiederum in zwei Lager. Die eine Hälfte haltet dich für einen Volldepp, weil, nunja, weil du da mitmachst. Zu der gehöre zum Beispiel auch ich. Die andere Hälfte haltet dich für einen Volldepp, weil DU da bist und sie nicht. Die würden gerne ihr eigenes Gesicht auf jeder Dose sehen. Die sind neidisch. Die hassen dich dafür. Doch dieser Neid verschafft dir keineswegs eine besseren Status. Denn warum man dich für einen Volldepp haltet ist schlussendlich egal. Volldepp bleibt Volldepp.
Klar gibt es Leute, die das cool finden. Deine Freunde, deine Verwandtschaft und noch ein paar wenige, welche du mobilisiert hast um für dich zu voten. Doch die sind an der Zahl so verschwindend klein, dass man getrost behaupten kann, dass 3.5 Millionen Schweizer dich für einen Volldepp halten.
Aber, aber die haben mich gewählt und ich war demzufolge der coolste unter den Teilnehmern, impfal!” Ja schon, aber genau da liegt das Problem.
Ein kleines Beispiel: Die Miss Südostschweiz-Wahlen. Ein bis zur Unkenntlichkeit hochglamourisierter Pseudo-Gala-Anlass. Doch ist euch schon mal aufgefallen, dass die Kandidatinnen nie wirklich, ähm, schön sind. Also schon schön und so, aber nie richtig schön. Man hört auch fast nur “Also WENN, dann die!”. Was ja nicht besonders schmeichelhaft klingt. Also ich persönlich könnte problemlos 10 schönere Frauen aus der Umgebung aufzählen. Doch warum ist das so? Weil die richtig schönen, die richtig sympathischen, die richtig Richtigen da nicht mitmachen, weil erstens der zu gewinnende Ruhm eher kläglich, zweitens weil man dem Pesche nicht live begegnen will und drittens, ja drittens weil man sich zum Volldepp macht. Bei der Miss Südostschweiz zwar nur regional, doch du, Thomas, national. Herzliche Gratulation.

So oder so. Ich frage mich seit einer Weile, woher oben erwähnter Geltungsdrang rührt. Es bedarf einem enormen Selbstvertrauen gepaart mit riesiger Naivität, um zu glauben, dass die durch so etwas errungene Bekanntheit gut ist geschweige denn überhaupt erfolgt. Ohne jegliche Leistung, allein durch Selbstinzenierung berühmt, erfolgreich und vorallem beliebt zu werden ist so unwahrscheinlich wie Geschichten aus der Bibel. Klar gibt es Erfolgsstories, die euch in eurer Traumwelt bestätigen; Hannelore S. wird auf ihrem Facebook-Profil von einem Model-Scout angesprochen und ist ein Jahr später ein erfolgreiches Supermodel. Ja und? Du aber nicht. Ihr alle nicht. Wenn ihr euch selbstverliebt auf euren drölf Community-Profilen räkelt, verführerisch euer Shirt hochhebt, tief blicken lasst und dann noch sechzehn verschiedene Photoshop-Filter darüberklöpft verschafft euch das, moment, ähm, zwei Bewunderer. Zwei die euch für unglaublich cool halten. Zwei die auch gerne so wären wie ihr. “Aber Damian, Zwei ist doch gar nicht mal so schlecht!“, werdet ihr jetzt sagen. Doch auf zwei Highfives folgen hunderte von Ohrfeigen. Hunderte für die ihr einfach nur Volldeppen seid.

Wenn ich zum Beispiel auf einem Profil Fotos sehe (määduhäschjogarkaifacebook), auf denen einer grinsend und peacezeichenmachend auf der Chinesischen Mauer steht, denke ich: “Woah, cool. Der war in China. Ja da würde ich auch gerne mal hin.” Und was macht ihr? Ihr geht nach Rimini und fotografiert euch räkelnd und meganfoximitierend am Strand und aufgetakelt, indernachtsonnenbrillentragend vor dem Spiegel im Hotelzimmer. Wait what? Ihr geht also nach Rimini um den gleichen Scheiss zu machen, den ihr hier macht? Hallo? Weitet euren Horizont respektive schafft euch einen an. Such euch ein Hobby, spielt ein Instrument, eröffnet einen Onlineshop, pflanzt einen Baum, züchtet Rinder oder lernt Suaheli.

Das Problem liegt aber, wie das halt so ist, nicht nur auf der einen sondern auch auf der anderen Seite. Und die andere Seite, das sind die zwei Bewunderer. Ihr bringt das ganze System durcheinander. Ihr bestätigt dieses halbgare Verhalten und fördert es so zeitgleich. Ergo: Pfui. Aufhören. Sofort.

Anmerkung: Ich wäre wahrscheinlich genau gleich, hätte ich ein Sixpack. Oder Brüste.

    11 Kommentare

  • Word up, dude.

  • “Anmerkung: Ich wäre wahrscheinlich genau gleich, hätte ich ein Sixpack. Oder Brüste.”

    Gerade noch gerettet!

  • DMN

    Njargh…ich bin ein hässliches Internetkind…darum darf ich das.

  • Alina

    Weist’e Damian, zum Glück können hässliche Internetkinder “Kellerkinder” auch sympatisch sein. Doch wenn diese sich, wegen Leute die sich gerne selber im Spiegel sehen und von maximal 2 Personen oder so bewundert werden, so ins Zeugs legen, frag ich mich, ob der “Keller” doch zu dunkel war….

  • DMN

    Wie darf ich das jetzt verstehen?

  • Alina

    Dacht ich mir. Das mal wieder niemand meinen wirren Gedanken (Text) folgen kann. :-)
    Irgendwodurch scheint es dich zu beschäftigen, dass es Leute gibt, die sich gerne national und international profilieren. Genau so, scheint es mir, regt es dich auf, wenn es Leute gibt, die diese Narzissten unterstützen, bewundern in den HImmel loben….

    Das kann dir doch egal sein, dass mit dir auch eine selbstverhärlichende Spezies auf unserem Planet Bestand hat. Den du stehst doch über dem, nicht?!

  • DMN

    Hä? Ich lasse meiner Cholerik freien Lauf….ob dies nun Sinn ergibt oder nicht. Das ist meine Art von Therapie…you know…gratis und so.

    Und Nein, ich steh nicht über dem. Darüberstehen ist uncool und langweilig. Viel geiler ist mittendrin sein und ellbögeln.

  • Alina

    Yes, I know. Klar ist es spannender mittendrin zu sein, doch längerfristig macht sowas nicht glücklich, finde ich. Es kann ja schon ein befreiendes Gefühl entstehen, wenn man mal so richtig über gewisse Charakteren her ziehen kann, was du ja gar nicht in diesem Mass gemacht hast, zudem kann doch auch das Gefühl von mächtikeit entstehen. Ich bin besser als diese selbstliebenden Kreaturen, denn ich prahle mit meinen Äusserlichkeiten nicht in der Weltgeschichte herum.

    Was ich damit sagen will, ist, dass ich mich manchmal daran störe, wenn Menschen sagen: Wieso ist der nur so doff! Wieso gibts nur so doffe Menschen! Was hat denen ins Hirni geschissen, das sie auf so eine blöde Idee kommen!
    Den was ist schon doff. Das bestimmt doch jeder Mensch für sich, was er als doff/blöd empfindet. Ein Mensch der sich gerne der Öffentlichkeit zeigt, findet es wahrscheindlich auch ziemlich doff, das es Spezies gibt, welche sich in ihrem engen Freundschaftskreis amüsieren.

    Jeder Mensch ist doch einzigartig. Darum meine Meinung lassen wir jedem Mensch seine Einzigartikeit, indem wir seine Lebensweise nicht verurteilen. :-)

    Kunsch drus?

  • DMN

    Und wenn mir ein Mensch mit seiner “Einzigartigkeit” auf den Sack geht…? Dann darf ich das doch sagen, oder? Ha? HA?

  • Alina

    JA, JA tob dich ruhig aus :-)

  • BRÜSCHT!

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Über

Zum Mensch

Der fastvierteljahrhundertjährige Damian ist ausserordentlich gerne im Internet unterwegs, obschon er alles andere als ein Internetkind erster Stunde ist sondern während seiner Kindheit lieber Bäume gefällt hat und von Stalldächern in Tiefschnee gesprungen ist. Sein beruflicher Werdegang beinhaltet eine technische Ausbildung in der Baubranche, welche rückblickend aber eher eine Selbstfindungsphase war, ihm aber ein sehr ausgeprägtes wirtschaftliches Verständnis auf den Weg gab. Mittlerweile hat er sein langjähriges Hobby zum Beruf gemacht und darf bei seinen konzeptionellen und grafischen Arbeiten in der Werbeagentur CLUS stets aufs Neue feststellen, dass seine autodidaktische Ausbildung sehr effizient war und das ihm nachgesagte Gespür dafür kein Hirngespinst ist. So empfiehlt er seinen Arbeitgeber natürlich gerne weiter oder erledigt kleinere Arbeiten auch privat. Einfach melden.

Zum Inhalt

Aus den knapp dreizehn Billiarden Websites die er gerne liest, filtert Damian zum Wohle der Menschheit das in seinen Augen beste heraus und präsentiert es, garniert mit seiner Meinung dazu, auf diesem Blog hier.

Dazu gehört vor allem alles Schöne. Von Graphic- über Web- bis hin zu Motiondesign, aber auch Kurzfilme, Videos und ‘klassische’ Kunst. Allgemein hegt er ein Faible für alles, was dem Betrachter ein “Woah” zu entlocken vermag.

Das zum einen. Zum anderen bloggt er gerne über lustiges Zeugs. Insbesondere in der von ihm als Neuzeit-Humor bezeichneten Kategorie Internet-Humor (Wait what).

Das zum anderen. Zum anderen anderen berichtet er zwischendurch auch über persönliches. Dazu zählt sowohl alles private, das er mitteilungswürdig findet (Stalkerfutter) als auch Zwischenbilanzen oder kurze Hinweise auf Projekte, die er, meist unter der Obhut von LUAGSH, abgeschlossen hat oder abschliessen wird (Luagshprojekte und Hausgemachtes).

Weitere Inhalte dieses Blogs sind natürlich auch noch Filme, über die Damian ein beträchtliches aber gerne unterschätztes weil hier nicht allzustark präsentiertes Wissen besitzt. Also Obacht.

Von Zeit zu Zeit und immer öfters sind hier auch Videospiele ein Thema, die schliesslich ein wichtiger Bestandteil von Damians Freizeit sind und allgemeinhin noch den völlig falschen Ruf haben, was er gerne ändern würde.

Vorschläge für Artikel und Kritik nimmt Damian gerne entgegen: Per elektronischer Post. Per Twitter. Per Facebook.

Und: Für alle hier veröffentlichten Fotos und Videos und ähnlichem Zeugs, dass ich selber gemacht habe (!), habe ich das alleinige Herrschafts-Diktatoren-Recht-Tyrannei-Dingsbums. Also Copyright und so. Ihr wisst schon. Aber selbstverständlich darf man mich gerne fragen, ob man etwas weiterverwenden darf. Ich sag ja dann ohnehin ja. Meistens. Man kann es aber auch einfach nehmen, ohne zu fragen, solange es irgendwo ein Vermerk auf mich und meine Seite gibt. For the Fame, you know.

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