
In einer nicht namentlich genannten Grossstadt an der amerikanischen Ostküste werden seit zwei Jahren jeweils im Herbst mehrere Jungen im Alter von 9-13 Jahren tot aufgefunden. Ihr Gesicht ist mit Schlamm bedeckt, auf der Brust liegt eine Orchidee und in der Hand halten die Opfer jeweils ein Origami.
Dies ist die Ausgangslage für den exklusiv auf der Playstation 3 erschienenen Titel Heavy Rain, an welchem ich gestern ein klein wenig herumgepröbelt habe. Und nachdem ich erst kürzlich wegen Bioshock 2 schon völlig aus dem Häuschen war, bin ich nun schon wieder ziemlich weit ausserhalb von selbigem.
Denn Heavy Rain ist grossartig. Und zwar auf eine sehr eigentümliche Art und Weise. Denn das Spiel ist, wie im Vorfeld bereits angekündigt, tatsächlich eher ein interaktiver Film denn ein Spiel im klassischen Sinne. Gesteuert werden die verschiedenen spielbaren Charaktere ähnlich den alten Resident Evil Spielen; nämlich durch blickwinkelabhängige Bewegungen des Ministicks. Interessant und meines Wissens neuartig sind aber die jeweiligen Interaktionen. Eine Tür lässt sich so zum Beispiel per logischer Ministick-Bewegung öffnen. Das heisst leicht nach rechts und eine viertel Drehung nach unten. Oder werden beide Hände benötigt sind dafür L1 und R1 zu drücken. So wird man zum Beispiel in einer Szene von einem Ladendieb mit einer Waffe bedroht und muss durch gedrückt halten von L1 und R1 die Hände hoch halten. Lässt man die Knöpfe in dieser Szene los, nimmt der Protagonist die Hände runter worauf der Antoganist dementsprechend reagiert und nervöser wird. An einer anderen Stelle greift das Spiel auf die im PS3-Controller integrierte Bewegungssensorik zurück und man muss die fütlenplute, frischgeduschte Hauptdarstellerin per Auf- und Abschütteln des Controllers trockenreiben. Yeah. Was dann, würde man mich auf dem Sofa sitzend und Controller im Schritt haltend beobachten, sehr merkwürdig aussieht und zu falschen Schlussfolgerungen verleiten könnte. Viele anderen Szenen steuert man mittels dem rechtzeitigen Drücken der angezeigte Tasten. Dies meist in hektischen Situationen wie zum Beispiel während einem Kampf oder einer Fahrt auf der Gegenfahrbahn, bei deren unglücklichem Ende der Darsteller im auf dem Dach liegenden Fahrzeug, mittels vorgegebenen Ministick-Bewegungen bestimmte Aktionen ausführen muss. Diese allerdings sind konseuquenterweise dann aber verkehrt herum. Sogar die teilweise angezeigten Hilfetexte. Sehr schön.
Die Handlung ist in jeglichen Beschrieben sowohl im Internet als auch sogar im Handbuch bewusst auf die wenigen, eingangs erläuterten Fakten reduziert. Und dies darum, weil jede Handlungen oder in Dialogen gewählte Antwort Einfluss auf das Spielgeschehen und somit auf den Storyverlauf nimmt. Und zwar nicht zu knapp. So gelangte ich in die vorhin beschriebene Szene mit dem Ladendieb nur deshalb, weil ich beim Anschleichen an den selbigen eine Dose von einem Regal gestossen habe und dann nicht mehr rechtzeitig X drücken konnte, sodass mich der Dieb bemerkte und mich mit der Waffe bedrohte. Hätte ich an dieser Stelle schnell genug reagiert, hätte meine Figur wahrscheinlich die Dose aufgefangen und den Dieb mit der vorhin aufgehobenen Flasche bewusstlos geschlagen. Ob und wie sich dies allerdings auf die Handlung ausgewirkt hätte bleibt im Unklaren. Motiviert den Spieler aber, das Spiel erneut durch zuspielen.
Die Szene mit dem Ladendieb (inklusive den aus "24" 'geklauten' Splitscreens).
Die Auswahl an Antworten in den filmreif inszenierten Dialogen wirkt sich ebenfalls äusserst markant auf den Spielverlauf aus. Aber auch auf das Verhältnis zwischen den beiden Charakteren. Man kann zwar die Antwort nur selten konkret wählen, sondern nur die Art der Antwort (aggressiv, besonnen, sarkastisch, etc.), doch dies allein reicht aus, um dem Spiel eine noch nie gesehene Vielschichtigkeit zu verleihen.
Optisch kommt das Spiel fantastisch daher. Zwar sieht man dem ganzen streckenweise die lange Entwicklungszeit von 4 Jahren und dem damaligen Ausgangspunkt der Technik an, doch an den meisten Stellen wirkt das Spiel so dermassen realistisch und stylisch, dass man sich fragt, was sich eigentlich andere Spiele erlauben. Atmosphärisch eingesetzte Tiefen- und Bewegungsunschärfen, in Echtzeit berechneter Regen und Tränen (!), phänomenal gut gewählte Kamerapositionen und, darauf gilt besonderes Augenmerk, Gesichtsanimationen die ihresgleichen suchen; jede Mimik stellen die herausragend designeten Figuren jederzeit glaubwürdig dar und die während dem Ladebildschirm gezeigten Nahaufnahmen der Gesichter verblüffen jedes Mal aufs neue (alle hier verwendeten Bilder sind In-Game-Grafiken).
Eine der verschiedenen spielbaren Hauptprotagonisten: Madison Paige
Ich bin mir durchaus bewusst, dass man dies öfters behauptet, aber dieses Spiel läutet tatsächlich ein neues Zeitalter von Spielen ein. Und Heavy Rain hat dafür die Messlatte angenehm hoch gelegt. Denn ich bin überzeugt, dass in Zukunft, parallel zu den “klassischen” Spielen, mehr solche ‘interaktiven Filme’ erscheinen werden. Insbesondere auch darum, weil so zusätzlich ein völlig neuer Kundenstamm gewonnen werden kann. Dieser muss lediglich noch den Braten riechen, dann werden auch Nicht-Spieler zu Spieler. Respektive zu Interakteuren. Denn selbst mein verheerter verehrter Herr Mitbewohner, seines Zeichens vehementer Spieledesinteressierter, konnte sich gestern nicht des Zusehen verwehren. Zumindest nicht für ein paar Minuten. Zumindest nicht bei der Duschszene.
Füt-len-plut.
Hier noch der Trailer und ein kleines Gameplay-Video vom Raubüberfall:
Und man beachte: Solche Riesentexte mit Bildern und allem schreib ich nur, wenn mir was wirklich wirklich richtig sehr gefällt. Das letzte mal hier. Und hier. Aber manchmal muss ich halt meine Begeisterung für irgendetwas einfach loswerden. Und ich bin begeistert von Heavy Rain.











































6 Kommentare
Man beachte aber auch, dass du mich mit blumigen Worten auf die Duschszene gluschtig gemacht hast. Ich Armer ich ;)
Und verheert bin ich als Zivildienstangehöriger übrigens auch nicht mehr ~O~
@Marco: Oh, pardonnämua. :-)
Heavy Rain, für mich schon fast ein Kaufgrund für die PS3. Konnte es leider noch nie selber spielen, aber die unzähligen Gameplay Videos haben mir es ganz schön angetan.
@Michi: Jo voll, war für mich, nebst “Uncharted 2″ (das ÜBERSPIEL) auch ein Kaufgrund für die PS3.
Habe mal ein wenig nem Kumpel beim Zocken zugesehen. Der Anfang wirkte zwar ziemlich schleppend, ging dann aber umso spannender weiter. Und die Duschszene hat er auch als Überzeugungsmittel genutzt. ;D
Werd es mir bestimmt mal in nächster Zeit ausleihen/zulegen.
@Laosüü: Das stimmt…der Anfang ist ein bisschen lahm. Aber ist irgendwie auch notwendig um sich an die Bedienung zu gewöhnen. Und auch um storytechnisch alles aufzubereiten.