
Das Gurtenfestival verlief für mich ja, trotz, wie erwähnt, gutem Line Up und wegen, ebenfalls vermutet, schlechtem Wetter eher nicht so optimal.
(Vorsicht: Viel Text ahead.)
Eine plötzlich auftretende, nicht (!) alkoholbedingte Übelkeit veranlasste mich, am Freitag bereits nach Hause zu gehen. Allerdings behielt ich mir vor, allenfalls am Samstag wieder nach Bern zu reisen um mein 4-Tagespass zumindest ansatzweise zu amortisieren. Doch auf grosse Worte (Schololo) folgte keine Tat. Denn das vorherrschende Wetter liess sich besser, nein eigentlich nur, in einer fallout-geprüften Bunkeranlage geniessen und war für ein verwöhntes Stadtkind wie mich Grund genug, nicht mehr in die Landeshauptstadt und auf deren Hausberg zurückzukehren. Und da ich die Nacht davor bei sintflutartigem Regen und im kränklichen Delirium zitternd und ängstlich an meine kleinen Dame geklammert verbrachte und es eine gewisse Person, nennen wir sie mal Petrus, für eine gute Idee befand, denn ohnehin schon apokalyptischen Regen mit dem gewaltigsten Gewitter seit Anbeginn der Menschheit zu paaren um so für hollywoodreife Endzeitstimmung zu sorgen, liess mich allein der Gedanke an eine weitere solche Nacht sowohl ängstlich weinen als auch meinen vorgängig gefassten Entschluss über den Haufen werfen. Und so blieb ich zu Hause.
Wenn ich jetzt also behaupte, dass ich die Highlights dennoch miterleben durfte, beruht das alleine auf meinem Geschmack und alle Ritschi-Fans werden mich dafür steinigen. Aber die Eröffnungsbands am Donnerstag hatten es in sich und im Grunde genommen wäre ich bereit, alleine für diese beiden Bands soviel Geld zu zahlen wie ich für den 4-Tagespass zahlen musste. Als erste Band spielte, und dies auf die Minute genau mit meiner Ankunft vor der Hauptbühne, Bloc Party. Die englische Wasweissichfüreinstil-Band gefiel mir bereits vorher sehr gut und sie untermauerten mit ihrem Auftritt meine Meinung von ihnen völlig. Besonders ihr Sänger Kele Okereke wusste mit seiner enormen Bühnenpräsenz zu gefallen und amüsierte das Publikum mit einem plötzlichen Abstecher in das selbige womit die Techniker dann an ihre Grenzen stiessen, zumal sich das Verlängerungskabel seines Mikrophons nur bedingt gut durch die Menge tragen liess. Das Ganze glich dann, so mit erhobenen Händen sich gegenseitg das Kabel weiterreichend, in den gleichen Staff-Shirts und mit bierernster Miene und so, ein wenig einer rituellen Opferung einer malaysischen Riesen-Boa. Aber fand vielleicht auch nur ich so.
Die Titelwahl war ebenfalls sehr gut und baute durch einen bunten Mix beginnend mit Like eating Glass hin zu One Month off und Mercury gekonnt an Tempo auf.
Getoppt wurde Bloc Party, und das mit beängstigender Leichtigkeit, von den schottischen Halbgöttern Franz Ferdinand. Was für einen Kevin Kanye West ist, sind für mich Franz Ferdinand (direkt nach The Killers): Nämlich die besten Musiker der Welt. Franz Ferdinand und “beste” in einem Satz zu verwenden grenzt zwar an einem Pleonasmus, kann aber nicht oft genug gesagt werden.
Als die, lustigerweise oft noch als Indie-Rockband bezeichneten Franz Ferdinand zu spielen begannen, befand ich mich noch rechts aussen unweit von der Hauptbühne am Kaffe schlürfen. Als dann aber wohlbekannte Akkorde meinen Hörsinn zu streicheln begannen und mich, trotz bereits einsetzender Übel- und Müdigkeit, leichtfüssig näher an die Bühne hüpfen liessen schauderte es mich wohlig. Durch die geschätzten 10’000 Zuschauer ging eine sanfte Welle, welche sich dann, den schnellerwerdenden Tracks entsprechend in wildes Herumgehüpfe verwandelte.
Die gespielten Stücke vom neuen, elektrolastigeren Album Tonight: Franz Ferdinand funktionierten live, entgegen meinen Befürchtungen, hervorragend. Klassiker wie 40′ verlängerte die Band mit Showeinlagen, Instrumentensolos und Publikumsanimation auf das vielfache der eigentlichen Länge ohne dabei auch nur ein bisschen ermüdend zu wirken. Als musikalischen Abschluss stimulierten sie mit Ulysses inklusive Disco Bloodbath Effect die Zuschauer und deren auditiven G-Punkt mehr als genug und bewiesen, allen instrumentalen Traditionalisten (word of the day) zum Trotz, dass ein Schlagzeug nicht zwingend nur von einer Person gespielt werden muss.
Alles in allem also ein Highlight. Ein kurzes Highlight. Aber ein Highlight.
Ich schreib dann noch was über stimmungsdämpfende Deppen an Open Airs. Dies aber nicht nur auf das Gurten Festival bezogen.









































9 Kommentare
Jöh, het dr Damian kränklet? :D
Jo, aber gar nicht schlimm. Nur nervig.
Haha, aber danke, ich musste lachen (vor allem beim ersten Absatz) und das ist bei meiner momentanen guten Laune (Achtung Ironie!!) schon fast eine Leistung. Fast. :P
Gern geschehen. Warum denn schlecht gelaunt?
Ach. Alles.
Aber ich wende mich jetzt wieder meiner – sehr anspruchsvollen! – Harry Potter-Lektüre zu. Dann geht dieser Tag schnell vorbei und lässt mich hoffen, dass der morgige besser wird. ;)
EMO!
Boah. Das verzeihe ich dir nie. NIE!
Jo also Franz Ferdinand hätte ich auch gerne gesehen. Und Dropkick Murphys hast du nicht gesehen? Die hab ich früher viel gehört, zu meinen Punk-Rock-Metal-Zeiten. Hihi.
Nein, meine kleine Dame hat mir davon abgeraten und die Hauptbühne für diese Band als übertrieben empfunden. Aber ich kenn die nicht.
Hach, dich hätte ich gerne zu deiner Punk-Rock-Metal-Zeit kennengelernt und dann den Wandel zum jetztigen Stand miterlebt. :-)