Grauenhaft angenehmes Wetter


Momentan herrscht ja wirklich grauenhaft angenehmes Wetter. Wie ich finde. Ist natürlich Ansichtssache. Aber die nicht ganz zu heissen aber doch sehr sommerlichen Temperaturen passen mir gerade unheimlich gut ins Konzept. Morgens wenn ich aufstehe ist es bereits hell und auf unserem Balkon angenehm kühl und erfrischend. Ein Kaffee und eine Zigarette dazu. Grossartig. Selbst meine Pollenallergie hält sich trotz des sommerlichen Wetters in Grenzen. Wahrscheinlich ist es einfach zu trocken dafür. Oder zu warm. Oder Gräser und Birken und auf was ich sonst noch so alles reagiere, haben ihre Blütezeit bereits hinter sich. Keine Ahnung.

Die Kaffeepause auf der Arbeit ist auch sehr viel angenehmer als während den kühleren Jahreszeiten. Oder als wenn es regnet. Zumal ich mich da meistens auf der riesigen aber unüberdachten Terrasse aufhalte. Darauf scheint um diese Zeit die Sonne erst flach und demnach mild hin und es weht ein angenehmes Lüftchen, welches sich dann aber kurze Zeit später, beeindruckend pünktlich gegen Mittag hin, leider zu einem relativ heftigen und nervig-konstantem Wind steigert. Ist aber nicht weiter schlimm und unvermeidlich in einem Föhntal wie dem unsrigen.

Jedenfalls. Einziges Manko an diesen Temperaturen folgt erst gegen Abend. Mein Heimweg. Mit dem Bus. Mein verhasster Bus. Denn allein mit allen Pendlern und den später dazu stossenden Schülern und Studenten ist es bereits zur Genüge voll und laut und vor allem heiss. Aber auf Grund des Wetters steigen genau zwei Haltestellen nach der meinigen die Gäste des Freibades ein. Dies sind in der Regel nicht bloss junge, spärlich bekleidete und gutaussehende Frauen sondern auch ebenfalls spärlich bekleidete, aber weniger gutaussehende Mütter inklusive mindestens zwei exorbitant lauten Kindern und zumeist noch einem entweder beneidenswerterweise schlafendem oder alternativ in betonzerbröselndem Ultraschall kreischendem Kleinkind in einem wirklich pervers grossen und mit Spikes bereiftem Kinderwagen der garantiert geländegängiger als ein Menzi Muck ist und in welchem problemlos acht dergleichen Platz finden würden. Also acht Kleinkinder. Nicht Menzi Mucks. Oder aber dreieinhalb mal ich. Der Einstieg von besagtem Volk an besagter Haltestelle gestaltet sich dann auch dementsprechend interessant. Die ohnehin konstant hysterischen Mütter werden ob den ständig automatisch schliessenden Hydrauliktüren und den dazwischen eingeklemmten und folglich heulenden Halbwüchsigen noch hysterischer und speien, die Multitaskingfähigkeit der Frauen beweisend, gleichzeitig dem Busfahrer Gift und Galle an den Kopf und zerren ihre Kinder aus den Fängen der immer wieder stur auf die Kinder eindreschenden Gummischienen der hektischen und völlig falsch kalibrierten Türe, ohne dabei auch nur eine einzige Sekunde mit dem sinnentleerten Getratsche in Fussballstadionlautstärke mit der anderen Mutter, die ihrerseits das selbe Martyrium am anderen Ende des Busses durchlebt, inne zuhalten.
Ich derweil versuche mich, in Erwartung der bekannten, äusserst ruckartigen Abfahrt, irgendwo festzuhalten, das nicht aus fremden Fleisch ist und eine Anzeige wegen sexueller Nötigung zur Folge hätte und starre resigniert in die feuchte, sich direkt vor mir auf Augen- und somit auch Nasenhöhe öffnende Achselhöhle des mich nicht nur ein bisschen überragenden und zwischen all den geschlechtsreifen und beinahebarbusigen HTW-Studentinnen sichtlich zufriedenen Bauarbeiters und versuche gleichzeitig den in meine Richtung peitschenden Schwimmnudeln der vorhin erwähnten Halbwüchsigen auszuweichen ohne dabei eines der kleinen hundeähnlichen, sich wider ihrer Bezeichnung nicht auf dem Schoss befindenden Schosstiere der bekrückten und berollatorten Benerparkbewohner, die natürlich exakt um diese Zeit von ihrem Spaziergang heimkehren müssen, tot zu trampeln.
So vergeht also die Zeit und wir tuckern alle fröhlich singend an meiner Haltestelle vorbei, weil ich es in der vom Busfahrer mit durchschnittlich drei Sekunden äusserst kurz dosierten Haltezeit sowieso niemals von meinem, weil früh eingestiegen am tiefsten im Bus situierten Stehplatz bis zum ohnehin mit den bereits fünfundzwanzig Haltestationen zu früh aufgestandenen und nun panisch umherwackelnden und sich durch die Menge prügelnden Benerparkbewohnern versperrten Ausgang schaffen würde. Also bleibe ich stehen. Bis zum Bahnhof. Da steigen dann so ziemlich alle aus. Auch ich.

Dann gehe ich nach Hause. Sitze auf den Balkon. Trinke ein Bier. Rauche eine Zigarette. Und lese die unverschämt spannenden Thriller von Simon Beckett, dessen Erstling ich innerhalb von drei Tagen gelesen hatte. Sehr zu empfehlen. Und ich habe dann jeweils noch genau eineinhalb Stunden direkte Sonne. Sehr schön.

Hier noch als Abrundung ein kleines Zeitraffervideo von neulich Morgen.

    27 Kommentare

  • Hey
    Cooler Artikel! Ich mag sollche Texte :)

    kleine Frage:
    Beim Zeitraffer ..All wieviel Minuten (oder Sekunden) hast du ein Foto gemacht?

  • @Silas: Danke. Alle 30 Sekunden. So ungefähr 850 Fotos insgesamt. Aber du kannst natürlich auch über längeren Zeitraum dafür nur alle 60 Sekunden. Dann hält der Akku auch länger.

  • @Damian: Ok merci :) werds auch mal versuchen! *unternehmensfreude*

  • Also die Gräser blühen noch, die Birken hingegen sind passé. Aber stimmt, dieses Jahr habe ich auch rein gar nichts gespührt. Ahmol, ein bizen schon. Aber nur Ende März.

    Und hey, hör auf mit solchen Schachtelsätzen. MIR BRUMMT DER SCHÄDEL! ;-))

  • @Marco: Aber der Rossboden wurde dieses Jahr sehr früh gemäht. Daher vielleicht ein bisschen weniger schlimm. Aber ist eh komisch dieses Jahr. Bei uns im Büro hat auch jeder völlig anders als andere Jahre.

    Schachtelsätze FTW.

  • Ach ja, Busfahren. Genauso (und nicht anders!) war es früher immer, wenn ich damit zur Schule mußte. Bei uns brüllte uns der Busfahrer immer noch grob an “Durchrücken!”. Heute fahr ich zum Glück selten Bus. Höchstens mal in anderen Städten, aber da ist es dann immer noch ähnlich…

    Schöner Text. Schönes Video.

  • @Verena: Das Problem ist aber bei uns weniger die Anzahl Leute, sondern das Verhalten der Leute selbst. In den Tokyoter Zügen hat es zehnmal so viele Personen. Aber alle sind rücksichtsvoll. Funktioniert bestens.

    Danke. Danke. :-)

  • @Damian: Ja, das habe ich auch beobachtet, im Ausland sind sie nicht so rüpelhaft, egal wo. :/

  • @Verena: Ich war noch nicht an besonders vielen Orten…aber stimmt schon.

  • Wie ist der leichte Zoom gemacht beim Ablauf des Filmchens?

  • @zoellner: Das ist der Ken Burns Effekt. Ist in praktisch jedem Videobearbeitungsprogramm enthalten.

  • Hannah

    Geschrieben wie “ich muss mal alles auskotzen” muah.
    Bus im Sommer ist schon so ne Sache..
    Schönes Zeitraffervideo. :-)

  • Till

    Pflblblblblblblbl.

  • MRN

    @Silas: Geschaetzer Silas, ich wuerde es sehr begruessen, wenn du eine funktionierende E-Mail Adresse beim Kommentieren angeben wuerdest, denn sonst erhalte ich bei jedem deiner Kommentare eine aeusserst laestige E-Mail. Danke ;)

  • MRN

    Aaaah, schon wieder..
    This message was created automatically by mail delivery software.

    A message that you sent could not be delivered to one or more of its
    recipients. This is a permanent error. The following address(es) failed:

    silas.gosch@gmail.com
    SMTP error from remote mail server after RCPT TO::
    host gmail-smtp-in.l.google.com [209.85.229.27]:
    550-5.1.1 The email account that you tried to reach does not exist. Please try
    550-5.1.1 double-checking the recipient’s email address for typos or
    550-5.1.1 unnecessary spaces. Learn more at
    550 5.1.1 http://mail.google.com/support/bin/answer.py?answer=6596 p16si1045376eeh.66

  • @MRN: Warum kriagsch das du? :-)

  • MRN

    @Damian: Will das ueber Hostpoint verschickt wird und i doet als Serveradmin itrait bin ;)

  • @MRN: Soso. Der Mann im Hintergrund. Der mit den Fäden. Jaja. So aina bisch du also.

  • MRN

    @Damian: Wenn do eine d Faede zuecht, denn ich! Ich bi de Fachmaa.

  • Alina

    Ich mag solche Texte auch, die Schachtelsätze machen ja das ganze amüsant. :-) Da lob ich mir doch meinen 1-minütigen Lauf-Heimweg und meinen schattigen Balkon am Abend. Also ja, im Frühling wäre ein sonniger Abend-Balkon schon was, doch bei diesen Wetterbedingungen würde ich – bei der derweil starken Sonneneinstrahlung – wohl einfach an die Wand grilliert werden. :-)
    Ja das Busfahren zu Stosszeiten ist wirklich was für Hartgesottene. Kenne z’war nur das Stosszeitenbusfahren im Engadin (Scuol-Sent), bei welchem man von Wanderstöcken und Nordicwalking und was es sonst noch für Stützwanderhilfen / erleichterungen gibt aufgespiesst werden kann, und wenn man sich nicht genug Platz verschaffen kann, was im Sommer praktisch an der der Tagesordung ist, von einem Wanderschuh zu tode getrampelt wird. Sofern man sich von den tonnenschweren Wanderschuhen in Sicherheit bringen konnte, so kann man nie sicher sein, bereits einem neuen Angriff, diesmal von einem Riesenbärnardinerhund, welchem man (ausversehen) auf den Schwanz gestanden ist, gegenüber zu stehen.
    Zum glück wurden bei extrem hochen Wandereraufkommen ein Zusatzbus eingesetzt. So dass man sich nicht schon bei der zweiten Haltestelle in Scuol, in die Gelbebüchse quetschen musste und durch den Platzmangel, dem Busfahrer bei seinen Manövriervorgänge in die quere kam.
    Nicht zu vergessen natürlich alle Freibadiheimfahrgäste…

  • @MRN: Ayyayay sorry da fehlt ein t ..Einen Brief hätte mir die Post zugestellt, auch wenn das t fehlen würde! Die chaibe technik doch immer :P

  • @Alina: Ja, aber amüsant versteht sich nicht mit lesefreundlich :-P

  • @Marco: Word.

    1 Satz, 1 Gedanke. Punkt. :P

  • Alina

    @Marco: Da haste wohl recht. :-) Denke aber das solche Texte zu einer erhöten Hirnaktivität führen und dies hat doch auch was Gutes (nebst den Kopfschmerzen): das Hirn rostet weniger schnell, oder so….

  • Ok, hab ich mir im Nachhinein schon sowas gedacht. Dachte erst an ein Verrücken der Cam! ;)

  • @zoellner: DAS wäre ein kleines bisschen sehr sehr ziemlich aufwändig gewesen. :-)

  • @Alina: Da muss ich dir widerum rechtgeben :-)

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Rauf
Über
Damian

Der fastvierteljahrhundertjährige Damian ist alles andere als ein Internetkind erster Stunde, bewegt sich aber in Anbetracht dessen ausserordentlich agil durchs Netz.

Aus den knapp dreizehn Billiarden Websites die er gerne liest, filtert er zum Wohle der Menschheit das in seinen Augen beste heraus und präsentiert es, garniert mit seiner Meinung dazu, auf diesem Blog hier.

Dazu gehört vor allem alles Schöne. Von Graphic- über Web- bis hin zu Motiondesign, aber auch Kurzfilme, Videos und ‘klassische’ Kunst. Allgemein hegt er ein Faible für alles, was dem Betrachter ein “Woah” zu entlocken vermag.

Das zum einen. Zum anderen bloggt er gerne über lustiges Zeugs. Insbesondere in der von ihm als Neuzeit-Humor bezeichneten Kategorie Internet-Humor (Wait what).

Das zum anderen. Zum anderen anderen berichtet er zwischendurch auch über persönliches. Dazu zählt sowohl alles private, das er mitteilungswürdig findet (Stalkerfutter) als auch Zwischenbilanzen oder kurze Hinweise auf Projekte, die er, meist unter der Obhut von LUAGSH, abgeschlossen hat oder abschliessen wird (Luagshprojekte und Hausgemachtes).

Weitere Inhalte dieses Blogs sind natürlich auch noch Filme, über die Damian ein beträchtliches aber gerne unterschätztes weil hier nicht allzustark präsentiertes Wissen besitzt. Also Obacht.

Von Zeit zu Zeit und immer öfters sind hier auch Videospiele ein Thema, die schliesslich ein wichtiger Bestandteil von Damians Freizeit sind und allgemeinhin noch den völlig falschen Ruf haben, was er gerne ändern würde.

Vorschläge für Artikel und Kritik nimmt Damian gerne entgegen: Per elektronischer Post. Per Twitter. Per Facebook. Per Google+.

Und: Für alle hier veröffentlichten Fotos und Videos und ähnlichem Zeugs, dass ich selber gemacht habe (!), habe ich das alleinige Herrschafts-Diktatoren-Recht-Tyrannei-Dingsbums. Also Copyright und so. Ihr wisst schon. Aber selbstverständlich darf man mich gerne fragen, ob man etwas weiterverwenden darf. Ich sag ja dann ohnehin ja. Meistens. Man kann es aber auch einfach nehmen, ohne zu fragen, solange es irgendwo ein Vermerk auf mich und meine Seite gibt. For the Fame, you know.

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