
Wie der Titel im ersten Teil erahnen liess, hier also der zweite Teil über Filme, von denen (fast) niemand weiss, dass sie auf einem Comic basieren.
A History of Violence

Vom kanadischen Regisseur David Croneberg, bekannt für The Fly, mag ich besonders seine zwei aktuellsten Filme A History of Violence und Eastern Promises. Die beiden von hervorragend gecasteten Schauspielern erzählten, eindringlichen Geschichten mit überraschend einsetzender aber nicht deplatziert wirkenden Gewaltszenen sind meiner Meinung nach ganz grosse Filmkunst. Dass aber ersterer ziemlich eng auf einem Comic beruht, wusste ich bis vor einiger Zeit nicht und hätte ich ehrlich gesagt auch niemals gedacht. Ein bisschen enttäuschend. Zumal, wie ich der Einleitung vom ersten Teil geschrieben habe, kein Wort über die ‘Inspirationsquelle’ verloren wird. Selbige ist das 1997 veröffentlichte, gleichnamige Graphic-Novel von John Wagner und Vince Locke. In unkollorierten, skizzenhaften Zeichnungen gehalten, ähnelt der Comic einem Storyboard für Filme und ist so auch eigentlich nicht so ganz mein Stil. Aber das dachte ich schon von weitaus skurriler gezeichneten Comics, die mir dann, ob der Story, doch sehr gut gefallen haben. Mal sehen.
Road to Perdition

In ähnlichem Stil wie obige Novelle und ebenfalls in schwarz-weiss gehalten ist Richard Piers Rayners Road to Perdition, welche wiederum selbst starke Parallelen zu einem anderen Comic, nämlich dem japanischen Manga Lone Wolf and Cub aufweist. Von selbigem war übrigens nachweislich auch Frank Miller beim Schreiben von Sin City stark beeinflusst. Jedenfalls. Die in den 30er-Jahren angesiedelte Crime-Noir-Geschichte um einen Auftragskiller, dessen Familie mit Ausnahme seines Sohnes von der Mafia umgebracht wurde und daher auf Rache sinnt, wurde 2002 vom überaus grossartigen Sam Mendes auf Zelluloid gebannt und war zwar durchaus stimmig inszeniert, insofern man ein wenig Sympathien für diese Zeit hegt, mit Tom Hanks aber, natürlich nur meiner Meinung nach, spektakulär falsch besetzt.
From Hell

Der 2001 von den Hughes Brothers verfilmte From Hell mit Johnny Depp in der Hauptrolle hat seinen Ursprung in der 1991 begonnenen und 1996 komplettierten, 572 Seiten umfassenden Comicbuchreihe From Hell, welcher eine zehnjährige Recherche seitens dem Autor Alan Moore zu Grunde liegt. Selbiger ist durchaus kein Unbekannter. Der bärtige Anarchist ist eine Legende und unter anderem verantwortlich für Über-Comics wie zum Beispiel Watchmen oder V for Vendetta. Die Ähnlichkeiten sind dann auch kaum von der Hand zu weisen. Keine Booms und Kapows, spektakulär intelligente aber stets ruhige, mit wortlosen Panels durchsetzte Dialoge und fehlende Szenenerklärkästchendinger wie man sie sonst von so ziemlich jeden anderen Comics gewohnt ist. Angesichts der schwergewichtigen Vorlage ist der Film dann in der Tat eine Beleidigung. Selbst wenn er mir persönlich durchaus gefällt.
Blade

Der schwerterschwingende Mensch-Vampir-Hybrid hatte seinen ersten Auftritt bereits im Jahre 1973 in der 10. Ausgabe von The Tomb of Dracula und war, im Gegensatz zu zum Beispiel Nick Fury, von Beginn an Afroamerikaner. Bis in die 90er Jahre erhielt der auf den Namen Eric Brooks getaufte Vampirjäger immer wieder Gastauftritte oder gesamte Episoden in verschiedenen Serien. 1994 erst erhielt er seine eigene Comicbuchreihe. Selbige war dann auch massgebend für den Look des 1998 von David S. Goyer gedrehten und mit Wesley Snipes besetzten Filmes Blade der noch zwei mittelmässige Fortsetzungen und eine nach der ersten Staffel bereits eingestellte TV-Serie mit sich zog. Angesichts der anderen Kandidaten für die Rolle von Blade, nämlich LL Cool J, Laurence Fishburne und Denzel Washington war Snipes irgendwie eine beruhigende Wahl, wie ich finde. Der Erfolg des Filmes war dann überdies auch ausschlaggebend dafür, dass Marvel sich für die Verfilmung der X-Men und Spiderman bereit erklärte. Somit läutete im Grunde genommen Blade, den kurz zuvor desaströs gefloppten Batman&Robin mal ausser Acht gelassen, die Ära des momentan immer noch aktuellen Comicverfilmungshype ein. Zudem hatte Blade bereits ein Jahr vor The Matrix eine anschaubare Bullet-Time-Einstellung. Was dann aber erst bei letzterem für Furore sorgte.
Surrogates

Der letztes Jahr leider äusserst lieblos und, da unter Disney produziert, sehr zahm verfilmte Surrogates, mit einem sehr unmotivierten Bruce Willis in der Hauptrolle, basiert lose auf der zwischen 2005 und 2006 erschienenen, fünfteiligen Comicreihe The Surrogates, zu welcher Top Shelf Productions, vor allem bekannt für das verlegen vieler Alan Moore Bücher, anlässlich des Filmes ein Prequel-Issue veröffentlichte. Der Film selbst ist fast schon ärgerliches Mittelmass und vergeudet die im Grunde genommen hervorragende und vorallem thematische sehr brisante Vorlage. Schade um die Lizenz. Und auch schade um den doch sehr lächerlich perückierten Bruce Willis.
Fortsetzung folgt. Eventuell.
[Quellen: englische Wikipedia, Google Bildersuche, Vertigo Graphic Novels, IMDB.com]









































10 Kommentare
Endlich! Bei den Filmen (ausser Blade) wusste ich es tatsächlich nicht.
Hehe, bei mir anders herum: Bei “Blade” wusste ich es nicht, bei den anderen schon. “A History of Violence” mit dem bärenstarken Viggo Mortensen ist ein wirklich eindrucksvoller, toller Film; auch “From Hell” kann man genießen, obgleich er nicht Johnny Depps bester ist (dafür aber mit Sir Ian Holm, der ja immer einen Blick wert ist). “Road to Perdition” steht noch auf meiner To-Do-Liste, vor allem wegen Mendes.
Iiiih Blade!
Ja aber, ich meine wieso soll es ungewöhnlich sein, dass ein Film auf einem Comic basiert?
(Ich weiss, du hast nicht gesagt, dass es ungewöhnlich ist, Damian, aber einige scheinen ja überrascht darüber zu sein.)
Ein Comic ist eine Geschichte, sie wird nur “anders” erzählt als in einem geschriebenen Buch. Also doch eine gute Vorlage für einen Film. Sogar irgendwie fast naheliegender, da ja schon Bilder vorhanden sind. Und so.
So.
Ein Comic ist auch nur ein etwas detaillierteres Storyboard *Brille-absetzt-und-ein-Gläschen-Brandy-einfüllt*
Road to Perdition? Also,okay,das hat mich jetzt überrascht.
Gute Serie!
@Chaosmacherin: Joa, Blade ist so ein Grenzfall.
@Dr. Borstel: Dann bist du gut informiert. :-)
@Lara: Ist nicht ungewöhnlich. Aber die Filme könnten dann fairerweise ruhig sagen, dass sie auf einem Comic basieren. Gfälligscht. Irgendwie. Weisch.
@Tokyofist: Ein Film ist auch nur ein etwas detailierteres und bewegtes Comic. *dir-den-Brandy-über-den-Kopf-schütt*
@Marco: Dankeschön. :-)
Hab mit “Road to Perdition” gestern abend angesehen (schönes DVD-Doppelfeature mit “American Beauty”) und möchte anmerken, dass ich dir absolut zustimme: Wäre die Hauptrolle nicht so fatal fehlbesetzt, wäre dieser Film unwahrscheinlich großartig geworden. Trotzdem umterm Strich sehr sehenswert.
@Dr. Borstel: In der Tat. Tom Hanks halte ich sowieso für ein klein wenig überbewertet.
Das geht nicht nur dir so. Er mag ja ein guter Schauspieler sein, aber irgendwann ist es dann auch mal genug mit diesem ewigen Dackelblick. Manche seiner Filme, z.B. “Cast Away”, sind meiner Meinung nach einfach hoffnungslos overrated.