Comicverfilmungen – Teil 1


Das wenige Filme, besonders aus Hollywood, auf keiner eigenständigen, explizit für den Film erdachten Idee basieren, ist unlängst bekannt. Neben Remakes, Reboots, Prequels und Sequels (DAS Zeichen schlechthin für Ideenlosigkeit) gäbe es in erster Linie mal Buchverfilmungen. Dies ist mehr oder weniger naheliegend, da jeder Film im Grunde genommen auf einem Buch, nämlich auf einem Drehbuch, basiert. Den literarischen Vorlagen wird zumeist auch genügend Tribut gezollt, zumal es sich bei den meisten Büchern auch schlecht verheimlichen liesse, da selbige meistens bereits Kassenschlager waren, was ja auch Bedingung ist, überhaupt erst verfilmt zu werden. Zum Beispiel Dan Browns oder Stephen Kings Bücher, Harry Potter, Twilight, Herr der Ringe oder auch auf weniger bekannten Vorlagen basierende Adaptionen wie Forrest Gump, Vom Winde verweht oder Trainspotting.
Jedenfalls. Bei Comicverfilmungen ist Hollywood, wie ich finde, um einiges Frevelhafter. Teilweise namhafte Regisseure und Autoren übernehmen die Geschichten von Comic(-Novellen), verfilmen selbige und schreiben sich selbst den ganzen Ruhm zu, ohne auch nur ein Wort über ihre Quelle zu verlieren. Nunja, selbstverständlich ist es nicht so drastisch. Aber wenn es nicht gerade ein Batman oder ein Spiderman ist, wird selten ein Wort über die genauso geniale, wenn nicht bessere, Vorlage verloren und die eigentlichen Urheber der Idee, zumal es sich dabei meist um Indie-Comics ohne grossen, juristisch und marketingtechnischen Verlag im Rücken handelt, mit lächerlich kleinen Lizenzgebühren abgehandelt.

Darum. Exklusiv hier und wild verstreut im Netz: Filme von denen (fast) niemand weiss, dass sie auf einem Comic basieren.

MEN IN BLACK

Der erstmals 1990 publizierte Comic hat abgesehen von der Grundidee eigentlich sehr wenig mit dem sieben Jahre später erschienen Film mit Will Smith zu tun. Schade eigentlich. Denn statt blitzdingslen massakrieren die gezeichnent MiB-Pendants potentielle Augenzeugen und sind auch sonst wesentlich skrupelloser. DAMN YOU, T-Rating.

VIRUS


Die von Chuck Pfarrer erfundene Geschichte um eine ausserirdische Intelligenz, die ein chinesisches Forschungsschiff übernimmt und darauf aus technischen Geräten und Leichenteilen, ähm, Figürchen baut, war eigentlich von Anfang an als Film geplant. Jedoch waren damals die Special-Effects noch zu unausgereift, worauf Pfarrer das Script an Dark Horse Comics verkaufte. Später wurde es dann aber doch verfilmt. Mit Jaime Lee Curtis und tonnenweise überaus coolen Animatronics. Und einem russischen, statt chinesischen Schiff. Warum auch immer.

WHITEOUT


Der Direct-to-DVD Film Whiteout mit der, wie ich finde, exorbitant hübschen Kate Beckinsale ging bei uns, halt eben weil er nur auf DVD erschien, ein klein wenig unter. Ich persönlich fand den ganz ok. Aber mir gefallen Von-der-Aussenwelt-abgeschnitten-Filme ohnehin fast immer. Und dann noch ein klein wenig Gore, Spannung und alles in der arschkalten Arschkälte von Antarctica. Nett. Die Handlung wurde dabei grösstenteils eins zu eins vom 1998 unter Oni Press erschienenen Comic, mit grossartigen Schwarz-Weiss-Zeichnungen von Steve Lieber, übernommen. Und das ist auch gut so.

OLDBOY


Das überrascht wahrscheinlich einige. Der nicht gerade von wenigen als Meisterwerk geahndete Film von Park Chan-wook aus dem Jahre 2003 basiert auf dem 1996 erstmals publizierte und erst aufgrund des überaus erfolgreichen Filmes 2005 ins Englische übersetzte, achtteiligen Manga Old Boy. Die grossartige Geschichte des Films hat aber nur in groben Zügen Gemeinsamkeiten mit dem Manga. Das nutzt Will Smith, welcher mit Steven Spielberg angeblich an einem Remake werkelt, dann auch als Vorwand, zu behaupten, dass es eben genau kein Remake wird, sondern eine mangagetreue Adaption sei. Klar doch. Shut the Fuck up.

WANTED


Der ziemlich stylische Actionfilm aus dem Jahre 2008 vom ein bisschen überbewerteten Timur Bekmambetov und mit James McAvoy und haufenweise Bullet-Time und Slow-Motion in der Hauptrolle ist im Grunde genommen eine ziemlich gelungen Adaption eines Comics. Wenn sie denn etwas mit selbigem gemeinsam hätte. Bis auf die Namen, ziemlich vielen Szenen und ansatzweise die Vater-Geschichte weicht der Film völlig von der Handlung, der Figuren (deren Aussehen) und insbesondere der Intensität der Gewalt ab. Die im Comic gezeigte Gewalt-Szenen, Vergewaltigungen und Massenmorde aus Spass wären aber auch von keinem Filmstudio gutgeheissen worden. Aber die gigantische Plotänderung, nämlich das komplette Weglassen von Superhelden und die überaus elementaren Superbösewichten, verzeihe ich dem dafür Verantwortlichen nie.
Der wahnsinnig stylische Comic mit den wohl schicksten Covern aller Zeiten stammt übrigens von Mark Miller, welchen ich für einen der besten der jungen Garde halte. Er kann selbst Doofies wie Captain America, Ant-Man oder Wasp cool respektive sexy wirken lassen. Und seine Einflüsse auf Verfilmungen wie zum Beispiel Iron Man sind unverkennbar und werden viel zu gering gewürdigt. Schliesslich hatte er bereits 2002 Nick Fury im Comic The Ultimate über sich selbst sagen lassen: “Wenn mich jemand aus Hollywood spielt, dann Samuel L. Jackson.Tadaaaa.
Ach ja, Kick-Ass stammt auch von Miller. Guter Mann.

Fortsetzung folgt.

[Quellen: englische Wikipedia, Google Bildersuche, Dark Horse Comics]

    20 Kommentare

  • Yeah, sehr sehr interessant. Ich wusste nur von Wanted, dass ein Comic als Vorlage diente. Aber auch nur, weil du’s mir mal gesagt bzw. darüber gebloggt hast. Whiteout hat mich am meisten überrascht.

  • @Kevin: Was hältst du von Whiteout?

  • Bei Man in Black wusste ich es wirklich nicht, aber bei Wanted weiß man das doch oder? :D

  • @Chaosmacherin: Ich schon. Viele nicht. Frag mal ein bisschen rum. :-)

  • Uih, also ich wusste keines davon. Nicht einmal Wanted. Aber Wanted ist ein Film, den ich mir nie angsehen habe und es auch nicht will. Bei Oldboy bin ich echt überrascht. Der Film ist super, wie wird dann wohl das Manga sein. Wäre doch mal interessant…

  • @Hannah: Das Manga kenne ich nur vom Durchblättern in der Buchhandlung. Aber ich bestelle mir das wahrscheinlich, sobald ich das zehntrilliardenseitige Akira durch habe. Das ist übrigens uhuara cool, Daniel.

  • Tokyofist

    Sag ich doch!
    und Oldboy hab ich Band 1 und 2, find ich aber nicht wirklich cool…

  • @Tokyofist: Hab ich irgendwie vermutet. Sieht ein bitzeli, ähm, lahm aus. Irgendwie.

  • Okay ich gebe es zu – ich habe es bei gar keinem gewußt. Mit wären nur die “altbekannten” eingefallen. Hellboy, 300, usw.
    Aber dafür gibt es ja solche Artikel – danke was gelernt. Jetzt kann ich wieder auf oberschlau machen ;)

  • Andri

    cool! wieder was dazu gelernt! ;)

  • @Damian: Ich fand den ziemlich geil. Mir gefallen halt eben auch die Von-der-Aussenwelt-abgeschnitten-Filme. Und dann noch in der Antarktis. Perfekte Kombination.

  • Oh. Ich schreie ja immer Zeter und Mordio, wenn jemand nicht weiß, dass Lied xy gecovert ist, aber in diesem Thema bin ich mal so richtig unwissend, bin sehr gespannt auf die Fortsetzung, soll noch mal einer sagen, Blogs-lesen mache nicht schlau ;-) Danke, spannendes Thema!

  • @Hannibla Lektor: Ohja…bei Liedcover werde ich auch ganz wuschig wenn die Leute das nicht wissen. Also ich weiss auch viele nicht. Aber so die offensichtlichen. So doofe Singer-Songwriter die Muse oder The Cure oder ähnliches covern…und dann alle so: Ooooh der/die ist so super talentiert und hat so tiefsinnige Texte und so schöne Melodien.” Und wen sie dann das Original hören, denken sie: “Määh…das Original von Singer-Songwriter XY ist aber viel schöner.”

    Hach. Ja. Wirklich. Schlimm.

  • Wirklich schlimm manchmal. Gestern Abend zum Beispiel lief Metallica, “The Unforgiven” im Autoradio, Kommentar des Mitfahrers: “Oha, ist der also auch schon gecovert worden?” … da möchte ich doch schreiend aus dem Auto springen ;-)

  • Scho faruckt…
    Da schreibst du extra, dass warscheinlich (fast) niemand weiss, dass diese Filme Comic-Abkupferungen sind und trotzdem geht’s los in den Kommentaren… ;)

  • @Hannibla Lektor: Während DU fährst?

    @chef vodr ch: Was geht los? Meinst du “Also ICH wusste, dass…”? :-)

  • @Damian: Ja genau :D

  • Till

    Sehr geehrter Herr DMN,
    können Sie mir mitteilen, ob es irgendeine studentenfreundliche, soll heissen billige, Möglichkeit gibt, solche doch sehr interessant anmutenden Comics zu lesen?
    Vielen Dank,
    Ihr TLL.

  • @Till: Bibliothek evtl. Aber ich vermute die haben nicht so viel. Ansonsten eBay oder sowas. Oder halt normal bestellen. Bei Orell Füssli oder so.

  • und überhaupt: schaiss studenta. Issisch halt mol a Wucha nüt. das sötts der Wert si… :D

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Rauf
Über
Damian

Der fastvierteljahrhundertjährige Damian ist alles andere als ein Internetkind erster Stunde, bewegt sich aber in Anbetracht dessen ausserordentlich agil durchs Netz.

Aus den knapp dreizehn Billiarden Websites die er gerne liest, filtert er zum Wohle der Menschheit das in seinen Augen beste heraus und präsentiert es, garniert mit seiner Meinung dazu, auf diesem Blog hier.

Dazu gehört vor allem alles Schöne. Von Graphic- über Web- bis hin zu Motiondesign, aber auch Kurzfilme, Videos und ‘klassische’ Kunst. Allgemein hegt er ein Faible für alles, was dem Betrachter ein “Woah” zu entlocken vermag.

Das zum einen. Zum anderen bloggt er gerne über lustiges Zeugs. Insbesondere in der von ihm als Neuzeit-Humor bezeichneten Kategorie Internet-Humor (Wait what).

Das zum anderen. Zum anderen anderen berichtet er zwischendurch auch über persönliches. Dazu zählt sowohl alles private, das er mitteilungswürdig findet (Stalkerfutter) als auch Zwischenbilanzen oder kurze Hinweise auf Projekte, die er, meist unter der Obhut von LUAGSH, abgeschlossen hat oder abschliessen wird (Luagshprojekte und Hausgemachtes).

Weitere Inhalte dieses Blogs sind natürlich auch noch Filme, über die Damian ein beträchtliches aber gerne unterschätztes weil hier nicht allzustark präsentiertes Wissen besitzt. Also Obacht.

Von Zeit zu Zeit und immer öfters sind hier auch Videospiele ein Thema, die schliesslich ein wichtiger Bestandteil von Damians Freizeit sind und allgemeinhin noch den völlig falschen Ruf haben, was er gerne ändern würde.

Vorschläge für Artikel und Kritik nimmt Damian gerne entgegen: Per elektronischer Post. Per Twitter. Per Facebook. Per Google+.

Und: Für alle hier veröffentlichten Fotos und Videos und ähnlichem Zeugs, dass ich selber gemacht habe (!), habe ich das alleinige Herrschafts-Diktatoren-Recht-Tyrannei-Dingsbums. Also Copyright und so. Ihr wisst schon. Aber selbstverständlich darf man mich gerne fragen, ob man etwas weiterverwenden darf. Ich sag ja dann ohnehin ja. Meistens. Man kann es aber auch einfach nehmen, ohne zu fragen, solange es irgendwo ein Vermerk auf mich und meine Seite gibt. For the Fame, you know.

Rauf
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