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DISTRICT 9 – REVIEW

11. September 2009 | von Damian | Filme | 11 Kommentare |
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D9-Mutterschiff
District 9
gehört, zusammen mit dem, dem und dem hier, zu einem der besten Filme welche ich seit langem gesehen habe. Und mir ist durchaus bewusst, dass meine Glaubwürdigkeit darunter leidet, wenn ich den Beinahe-Superlativ “einer der besten Filme” so oft brauche. Doch hier ist es, man möge mir gerne widersprechen, mehr als angebracht.

Also, ein ziemlich ausführliches Review gibts nach dem Klick.

Viele, bezüglich Filmen, uninformierte Zeitgenossen reagieren skeptisch, wenn sie mich nach dem Plot fragen und ich das Wort “Alien” brauche. Doch das Plotkürzel “ein riesiges Raumschiff mit Aliens drin landet auf der Erde” ist irreführend. Ein Vergleich mit im Grunde genommen thematisch ähnlichen Filmen wie Independence Day wird dem Film nicht gerecht. District 9 bedient sich zwar teilweise an bekannten Elemente aus der Sci-Fi-Sparte doch paart diese so gekonnt mit völlig neuem, noch nie gesehenen, dass es als Ganzes neu wirkt.

DER PLOT

District 9 baut auf der Grundidee auf, dass ein riesiges Raumschiff auf der Erde landet. Und es passiert…nichts. Anstelle einer Invasion oder einer friedlichen Kooperation finden die Menschen an Bord des Raumschiffes tausende eingepferchte und ausgehungerte Aliens. Diese werden sodann in ein provisorisches Flüchtlingslager genau unterhalb des Raumschiffes verlagert und es wird ihnen humanitäre (?) Hilfe geboten. Dieses provisorische Flüchtlingslager bleibt. Und zwar 28 Jahre lang. Und da setzt die Handlung des Films ein: Die Aliens, von den Menschen diskriminierend “Shrimps” genannt, haben sich in ihrem Flüchtlingslager, welches mit den Jahren zum regelrechten Ghetto wurde, mehr oder weniger eingelebt. Genauer gesagt werden sie von Tag zu Tag zum Problem für die Anwohner. Gewaltätige Übergriffe beiderseits sind an der Tagesordnung, kriminelle Nigerianer handeln in District 9 mit Waffen, Glückspielen und Katzenfutter (ernsthaft). Die Antipathie gegen die Aliens steigt, die Hemmschwelle für Gewalt sinkt.
Um den sich häufenden Problemen Herr zu werden, beauftragt die Regierung den Konzern MNU (Multi National United) mit der Räumung von District 9 und die Verlagerung der Aliens in ein 200km entferntes, angeblich besseres Lager, wobei die MNU das grosse Geschäft mit Alienwaffen wittert. Die Parallelen zu Räumungen von Judenghettos während des 2. Weltkriegs sind offensichtlich und genau diese Thematik trägt unter anderem zur Vielschichtigkeit des Filmes bei.

DIE LEITFIGUR

Die Leitfigur des Films, Wikus van de Merwe, gespielt von Sharlto Copley ist ein Volltreffer. Copley ist eine echte Entdeckung und seine schauspielerische Leistung ist, zumal er eher zufällig und erst seit diesem Film Schauspieler ist, gigantisch. Fast noch mehr Anerkennung verdient aber der Regisseur Neill Blomkamp für den Mut, einen solchen absoluten Antihelden den kompleten Film schultern zu lassen. Wikus ist weite Strecken des Films unsympathisch und erntet, zumindest zu Beginn, Sympathien lediglich durch seine kindliche Naivität und seiner unverschuldeten, misslichen Lage. Er mausert auch nur bedingt, also völlig hollywoodatypisch, zum Helden und zeigt auch am Schluss noch häufig krasse Anti-Tugenden wie Feigheit oder affektive Schnellschüsse, welche ihn allerdings enorm menschlich wirken lassen und sein ständiges Fluchen, vorallem bei Schmerzen, unterstreicht diese Eigenschaft.

DAS SETTING

Das Setting ist eines der markantesten Punkte, welcher den Film vom zähen Einheitsbrei herausstechen lässt. Wie im dokumentarisch gehaltenen Opening des Film auch zynisch erwähnt wird, schwebt das riesige Raumschiff nicht über einer der sonst üblichen, meist amerikanischen Metropolen wie New York oder Washington, sondern über Johannesburg in Südafrika, von den einheimischen Joburg genannt. Erntete Steven Spielbergs War of the Worlds damals noch positive Kritiken für seine ‘ungewöhnliche’ Location New Jersey, so müsste demzufolge Blomkamp für seine Wahl einen Oscar erhalten. Wie auch Blomkamps Kurzfilm Alive in Joburg, welcher übrigens als Vorlage diente, spielt auch District 9 geschickt mit den Möglichkeiten die ein solch ungewöhnliches Setting wie Joburg bietet und lässt so, angenehm unspektakulär, das Alien-Ghetto schlicht zu einem weiteren Problemviertel werden und bietet den sonst diskriminerten Slumbewohner einen willkommenen Rollentausch und, in Form der Aliens, einen ebenso willkommenen Sündenbock.
Die drastischen Settingwechsel, von der sauberen Innenstadt über die sterilen Büroräumlichkeiten der MNU zum wahrhaftig dreckigen Ghetto, unterstützen die im Film thematisierte Rassentrennung bestens. Selten in einem Film wurde ein Slum so authentisch dargestellt und dessen Bewohner, die es in diesem Falle durchaus als exotisch zu bezeichnen gilt, so nahtlos darin integriert. Die Aliens sind dreckig, mit teils skurilen, menschlichen Sachen bekleidet (ein BH) und fressen Müll. Zu keiner Minute wirkt dieser Mix von Echtem und Fiktiven befremdent, sondern wirkt bisweilen erschreckend realistisch, was nicht zuletzt auf die hervorragenden Special-Effects zurückzuführen ist, ohne selbige ein Sci-Fi-Film keiner wäre.

D9-Heliperspektive

DER LOOK

So langsam sind mir diverse Filmproduktionen eine Antwort schuldig: Wer frisst deren Budget? Neill Blomkamp liefert auch tricktechnisch mit lediglich 30 Milionen Dollar ein Meisterwerk ab. Und er macht das ganz einfach: Er lässt nämlich SFX nicht als solche erkennen. Die Aliens zum Beispiel sind eine Mischung aus Maske und CGI-Effekten (Unterkörper) und das funktioniert hervorragend. Sie wirken keine Sekunde lang als Fremdkörper in der Umgebung und die Masken lassen eine erstaunliche Menge an emotionaler Mimik und Gestik zu. Das ständig bedrohlich über Joburg schwebende Mutterschiff ziert fast schon natürlich diverse Totale, wurde aber auch in einfachen Dialogen oder in Actionsequenzen nicht vergessen und wirkt, dank vorgelegtem Hitzeflimmern und Dunst, schlicht und einfach echt.
Einzig und allein das Miniraumschiff wirkt teilweise ein wenig unecht und unausgereift und hätte ein ein bisschen aufwändigeres Compositing benötigt.

Bemerkenswert, aber nicht neu, ist die dokumentarisch gehaltene Erzählweise des Films. In Interviews mit Beteiligten wird die Geschichte von Wikus erzählt und mit Filmaufnahmen eines Fernsehteams ergänzt. Zwischendurch wechselt die Kamera aber in die klassische Rolle des stillen Beobachters und zeigt so Ereignisse die abseits von Filmkameras geschehen, was, ob der abstrusen Geschichte, auch notwendig ist. Dieser Wechsel geschieht allerdings ohne aufdringlich erkennbaren Stil- oder Filterwechsel der Kamera, wirkt aber dennoch zu keiner Zeit verwirrend und ist jedesmal erkennbar, wofür Blomkamp wieder hohe Anerkennung verdient.
Der unregelmässige Wandel zum streckenweise reinrassigen Actionfilm verleiht dem Film ein, wider dem Trailer, ungeahntes aber willkommenes Tempo. Und District 9 zeigt Action die verblüfft. Blomkamp erzeugt zum Beispiel Detonationen von Aliengeschossen durch eine ‘echte’ Explosion, lediglich verfeinert mit einem inneren, blauen Leuchten (der Effekt ist genial, bitte darauf achten). Allgemein sind die Alienwaffen perfekt durchgestylt, weniger durch ihre Optik als durch ihren Effekt, ihren Schuss. Selbiger ist teilweise so verherrend und boah!, dass man MNU‘s Interesse daran nachvollziehen kann.

D9-Roboter

Der Film geizt auch nicht mit Brutalität, welche aber zu keiner Zeit reisserisch oder deplaziert wirkt. Im Gegenteil: Wenn Wikus mit Alienwaffen unbeholfen, teilweise auch ein wenig unbeabsichtigt, Gegner wortwörtlich zerfetzt oder reihenweise Soldaten, ob der Wucht des Geschosses, aus dem Blickfeld schiesst, wirkt das nie übertrieben oder gar unpassend sondern, nunja, einfach notwendig. Und die Schiesserei im Labor und die Roboterszene am Ende gehören mitunter zum besten was das Actionkino seit langem geboten hat.

FAZIT

Anschauen. Solch grossartige Filme, mit so vielen neuen, erfrischenden Ideen und gleichzeitig so bewährtem sind selten.
Und ich denke, nein hoffe, das war kein Glückstreffer von Neill Blomkamp.

Und: Eure Meinungen sind erwünscht.

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    Kevin

  • Klingt gut. Hab jetzt schon von mehreren Seiten gehört, dass der Film absolut genial sein soll. Muss ich mir so schnell wie möglich ansehen.

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    DMN

  • Unbedingt. Aber es ist KEIN Transformers, gell. :-)

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    Kevin

  • Danke, ist mir klar. Ich hoffe nur, dass die dokumentarische Erzählweise nicht den ganzen Film über so aussieht wie bei Cloverfield?! Ich hasse diese verfickten Wackelkameras. Bourne Ultimatum ist da gerade noch so an der Grenze.

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    DMN

  • Keineswegs. Der Vergleich liegt zwar nahe, ist aber völlig falsch.

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    Kevin

  • Gut!

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    Simon

  • Da kann ich mich nur anschliessen. Und übrigens, hätten WIR kriminelle und arbeitslose Shrimps anstelle von den hiesigen Blutsaugern, würde sich meine Meinung bezüglich der Flüchtlingspolitik wahrscheinlich in die andere Richtung bewegen.
    Meine bessere Hälfte meint dazu:
    Ich fand den kleinen Baby-Shrimp sooo härzig….!

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    chef vodr ch

  • Ich hab’ das alles nicht gelesen, weil ich heute Abend wohl diesen Film anschauen gehen werde… :D

    Vor-/Nachher auf ein Bier, Herr Caduff?

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    DMN

  • @Simon: Jop!

    @chef vodr ch: Jop!

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